Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2008

08:48 Uhr

Der Markt-Monitor

Sorgenkind Nikkei

VonRalf Drescher

2008 sollte nach Meinung von Analysten ein Jahr für japanische Aktien werden. Doch der Auftakt ist gründlich misslungen. Und auch die konjunkturellen Aussichten geben wenig Anlass für Optimismus.

Das R-Wort ist in aller Munde. Weltweit sorgen sich Experten um die US-Konjunktur, die in eine Rezession abzurutschen droht. Dabei geht fast vollständig unter, dass auch die japanische Volkswirtschaft am Rande einer Konjunkturdelle steht. Schon in den vergangenen Quartalen enttäuschten die BIP-Zahlen aus Japan. Und die Schwäche der US-Wirtschaft nährt Sorgen, dass die traditionell stark export-orientierten japanischen Unternehmen vor weiteren Enttäuschungen stehen, zumal der zuletzt anziehende Yen für zusätzliche Belastungen sorgt.

Wie real die Gefahr eines Rückschlags in Japan ist, hat heute die Bank of Japan untermauert. Auf Basis der Entwicklung in den einzelnen Regionen revidierte die Notenbank erstmals ihre Beurteilung der Wirtschaftslage nach unten. Goldman-Sachs-Chefvolkswirt taxiert die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in Japan - ebenso wie in den USA - mittlerweile auf 50 Prozent.

Anders als in Amerika, wo sich die Börsen trotz des labilen Umfelds erstaunlich gut halten, lässt sich die Sorge vor einer wirtschaftlichen Schwäche in Japan auch eins zu eins an den Aktienkursen ablesen. Der Nikkei-Index befindet sich seit Monaten im Sinkflug. Das Jahr 2007 beendete er bereits mit einem Minus von elf Prozent. Und heute Morgen fiel der Leitindex erstmals seit November 2005 unter die Marke von 14 000 Punkten. Zum Vergleich: Der Dax stand damals bei knapp 5000 Punkten und hat seither mehr als 50 Prozent zugelegt.

Immerhin: Durch die chronische Schwäche der japanischen Börse sind Aktien aus Nippon in Sachen Bewertung allmählich wettbewerbsfähig. Zwar liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der für 2008 erwarteten Gewinne mit 15,2 noch knapp über dem von US-Aktien (14,9) und deutlich über den Notierungen in Europa (KGV:12). Verglichen mit früheren Jahren ist der Bewertungsaufschlag aber inzwischen mehr als moderat.

Für viele Analysten war Japan genau aus diesem Grunde und wegen der sich allmählich bessernden Profitabilität der Konzerne ein heißer Kandidat für die Börsen-Überraschung des Jahres 2008. Möglich ist das natürlich immer noch, schließlich sollte man zwei schwache Wochen zum Auftakt nicht überbewerten. Gegen ein Comeback japanischer Aktien spricht allerdings das geringe Vertrauen der Anleger-insbesondere der Japaner selbst - in die Börse Tokio. Und die Tatsache, dass die Wende in Japan in den vergangenen Jahren schon oft ausgerufen wurde, leider bisher immer vergeblich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×