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11.02.2003

09:20 Uhr

Der Neue Markt steht vor seinem endgültigen Aus

Neuer Markt - Ein Abschied ohne Tränen

VonChristian Schnell

Am Dienstag hat die Deutsche Börse die Zusammensetzung ihrer neuen Indexwelt vorgestellt. Das einstige Wachstumssegment Neuer Markt ist damit für den Anleger endgültig gestorben. Nur ein geringer Teil der ehemals 343 Unternehmen wird in guter Erinnerung bleiben. Ansonsten herrscht Zähneknirschen.

FRANKFURT. Was wird dem Anleger vom Neuen Markt wohl eher in Erinnerung bleiben? Eine boomende Börsenlandschaft mit sagenhaften Kursgewinnen gerade in den Jahren 1999 und 2000 oder Totalverluste, Insolvenzen und Betrügereien? Wohl Letzteres. Schließlich stellt die Negativbilanz der letztem drei Jahre alles in den Schatten, was jemals an einer deutschen Börse zu beobachten war: Indexabstürze von bis zu 96 %, Insolvenzen bei 45 der einst 343 gelisteten Gesellschaften, dazu Bilanzbetrügereien, manipulierte Pflichtmitteilungen und vollkommen überhöhte Prognosen. Fazit: Dem Neuen Markt wird kaum ein Anleger eine Träne nachweinen. Der Traum vom schnellen Geld war für viele schließlich schon nach kurzer Zeit ausgeträumt. Denn die im März 1997 aus der Taufe gehobene Wachstumsbörse gewann bei der breiten Masse erst an Bedeutung, als sich die Indizes Nemax All Share und Nemax 50 schon in mehr als rational vertretbare Höhen bewegt hatten.

Generell besteht die Idee des Neuen Marktes aber auch in Zukunft fort: Technologieunternehmen werden künftig neben den klassischen Gesellschaften gesondert herausgehoben. Vermutlich 25 der insgesamt 30 Unternehmen im neuen TecDax sind bisher am Neuen Markt gelistet. Unabhängig davon bleiben für den Anleger drei Gruppen von Werten des Neuen Marktes interessant:1. Die Klassiker: Sie gehörten zu der Kategorie Investments, die über alle Stürme hinweg bei den Anlegern stets hohes Ansehen genossen. Ob Aixtron oder BB Biotech, Qiagen oder Singulus, Medion oder Mühlbauer, Pfeiffer Vacuum oder Teleplan - sie waren bereits in den Anfängen des Neuen Marktes dort gelistet, haben längst eine ausreichende Größe erreicht und werden nach der Meinung der Analysten auch künftig eine bedeutende Rolle spielen.

Von Singulus beispielsweise, dem Hersteller von Produktionsanlagen für CD und DVD, erwarten die Analysten von Helaba Trust auch in diesem Jahr ein zweistelliges Umsatz- und Gewinnwachstum. Ebenfalls interessant: Alle diese Werte werden auch künftig in einem der neuen Auswahlindizes vertreten sein. 2. Die Soliden: Werte wie der Sitzheizungshersteller W.E.T., der Anbieter von Hochleistungskunststoffen Centrotec oder Pankl, der High-Tech-Lieferant für die Formel 1, galten in der Boomphase des Neuen Marktes als langweilig, weil sie bereits Gewinne schrieben. Inzwischen sind sie längst ins Blickfeld der Anleger gerückt und überzeugen mit abgeschwächten, aber immer noch guten Zuwächsen. Der Sprung in die Auswahlindizes wird ihnen vermutlich aber auch in Zukunft verweigert bleiben.

Für Stockpicker bleiben sie aber eine interessante Wahl. Die Turn-Around-Kandidaten: Als Cash-Burner verschrieen, bereits in konjunkturell guten Zeiten in die Krise geraten und nun nach erfolgreicher Sanierung wieder oben auf: Für Spekulanten sind Werte wie die Software-Firmen AC Service, Atoss und Soft M oder die Internet-Gesellschaften Teles, United Internet und Web.de Investitionen, mit denen sich zuletzt in kurzer Zeit der Einsatz verdoppeln ließ. Die richtige Nase für solche Werte hatten allerdings nur wenige. Solche Chancen werden sich aber auch in Zukunft ergeben, sind sich Experten sicher. Schließlich befinden sich derzeit viele Unternehmen in einem Restrukturierungsprozess. Einige werden erfolgreich sein. Die zu finden, zeichnet Stockpicker aus.

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