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03.04.2003

11:32 Uhr

Der OFW-Kongress in Köln vom 2.-3. April hat sich das Thema Volatilität vorgenommen

Wo Wirtschaftsbosse auf Wissenschaftler treffen

"Das kleine Davos" - auf dieses Kompliment sind Claudia Köhler (22) und ihre Mitstreiter vom Organisationsform Wirtschaftskongress (OFW) zu Recht stolz. Denn hinter einem der wichtigsten internationalen Wirtschaftskongresse in Deutschland steht vor allem eins: die Arbeit von Studenten.

akj KÖLN. Fast anderthalb Jahre waren die 35 OFW-Organisatoren jetzt damit beschäftigt Referenten einzuladen, Sponsoren zu gewinnen und freiwillige Helfer zu organisieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: vom 2. bis 3. April 2003 werden auf dem neunten "World Business Dialoge" unter anderem Bayer-Vorstandschef Werner Wenning und Thyssen Krupp Vorstandsvorsitzender Ekkehard Schulz vor Studenten und Unternehmern sprechen. Das Thema: Volatilität. Das ständige Rauf und Runter an den Aktienmärkten, aber auch das schnellere Auf- und Abtauchen von Unternehmen stellt neue Anforderungen an das Management. "Bayer hat zum Thema Volatilität einiges zu sagen. Außerdem halte ich es für wichtig, die Eigeninitiative von Studenten zu unterstützten", erklärt Werner Wenning sein Interesse zu kommen. Auf dem Kongress entwickeln Unternehmer und Studenten in Arbeitsgruppen gemeinsam neue Strategien. "Für die Manager zahlt sich der OfW-Kongress aus, weil sie hier erstklassiges Wissen von Studenten abzapfen können", sagt Organisatorin Claudia Köhler.

Die Studenten werden vorher auf Herz und Nieren geprüft: Wer teilnehmen will, muss einen Essay schreiben. Unter 1000 Einsendungen hat eine Kommission aus Professoren und Unternehmensberatern in diesem Jahr die besten 400 Aufsätze ausgewählt. Die Teilnehmer kommen aus der ganzen Welt. Sinje Grude (20) mailt und telefoniert seit Wochen mit Studenten aus China, Asien, Amerika und Europa: "Da klingelt auch morgens um sieben das Telefon und am anderen Ende will ein verzweifelter Student von mir wissen, ob er ein Visum braucht."

Mittlerweile hat sich Kongress auch im Ausland einen guten Ruf. Selbst so öffentlichkeitsscheue Unternehmer wie der Microsoft Gründer Bill Gates waren schon Gäste auf dem OFW-Kongress. "Bill Gates haben wir durch Penetranz überzeugt", sagt OFW-Vorstandsmitglied Claudia Köhler. "Einer der Studenten hatte sich in den Kopf gesetzt, dass er Bill Gates zum Kongress holt, und ist ihm dann einfach hinterher gereist." Von diesem Coup haben die Studenten bei der Suche nach Sponsoren in der Krise profitiert. "Es war dieses Mal um einiges schwerer, Sponsoren zu finden, wir mussten fast viermal so viele Unternehmen anschreiben, um unser Budget zu erreichen."

Das ist nicht gerade klein. In diesem Jahr haben die Studenten etwa ein halbe Million Euro organisiert. Sachspenden noch nicht eingerechnet. Seit dem ersten Kongress im Jahre 1984 ist ein Förderkreis aus mittlerweile 71 Unternehmen gewachsen, die die Studenten mit Spenden, aber auch mit Sachverstand unterstützen.

Diese Unterstützung können die Organisatoren vor allem in den letzten Tagen vor dem Kongress gut gebrauchen. Vier Stunden Schlaf pro Nacht sind die Regel und auf dem Sofa in der im Eingangsbereich der OFW-Büros in Köln schläft eigentlich immer jemand.

Am kommenden Mittwoch soll davon niemand mehr etwas merken. Mit Videoleinwänden, Beamer, Dolmetschern und Erholungs-Lounge wollen die Studenten eine professionelle Kongress Atmosphäre bieten. Gut 200 freiwillige Helfer sorgen dafür, dass alles klappt. Das Geheimrezept der OFW-Organisatoren: Die Referenten haben ausgedehnte Pausen zwischen den Vorträgen. In denen können sie die Kollegen von der Konkurrenz kennen lernen und vielleicht sogar das ein oder andere Geschäft anbahnen. "Für viele Manager hat der Kongress auch deshalb einen besonderen Charme, weil sie für ein paar Stunden den Termindruck aus dem Büro los sind und neue Ideen bekommen", sagt Claudia Köhler. Das Konzept zahlt sich offenbar aus: Finanzminister Hans Eichel gefiel es auf dem letzten Kongress sogar so gut, dass er seine Termine für den Abend absagte und stattdessen zur Abschluss-Party in Köln blieb.

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