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16.06.2000

14:00 Uhr

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Der Sinn einer Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank ist umstritten

Der Sinn einer Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank ist umstritten. Einige Analysten sehen sogar

Frankfurt (ADX). Der Sinn einer möglichen Fusion zwischen Dresdner Bank und Commerzbank ist in Expertenkreisen umstritten. Die WestLB Panmure prognostiziert beiden Instituten im Falle eines Zusammengehens ein "Desaster". "Wenn es zu einer Vollfusion käme, könnte eine von beiden schließen", sagte Bankenanalyst Georg Kanders am Freitag auf ADX-Anfrage. Bei beiden Banken gäbe es zu viele Überschneidungen etwa im Firmengeschäft und Investment-Banking. So hätten beispielsweise rund die Hälfte der Firmenkunden der Dresdner Bank auch eine Verbindung bei der Commerzbank. Einzig im Privatkunden-Bereich hält der Experte eine Allianz für sinnvoll.

Sein Kollege von der Helaba sieht hingegen vorwiegend positive Effekte einer eventuellen Fusion. "Dresdner und Commerzbank sind relativ gleichgroße Partner", betonte Michael Haid. Anders als bei Dresdner und Deutscher Bank wäre es deshalb ein "Merger unter Gleichen". "Rein ökonomisch betrachtet, macht es sehr viel Sinn, weil beide ihre Marktanteile im Privatkundengeschäft mit einbringen und Filialen schließen könnten." Hier gebe es durchaus Einsparpotenzial.

Ähnlich sieht dies Sabine Bohn von der DG Bank. So könne die Dresdner Bank über die Commerzbank-Tochter comdirect Zugang zum Direkt-Banking erhalten, einen Bereich, den die Dresdner Bank bisher vernachlässigt hat. Hingegen sei die Commerzbank schwächer im Investment-Banking. Im Falle eines Zusammengehens würde das neue Institut bezüglich seiner Marktkapitalisierung zur zweitgrößten Bank Deutschlands avancieren und damit die HypoVereinsbank auf Platz drei verdrängen.

Dass eine Fusion zustande kommt, ist nach Ansicht Haids "sehr wahrscheinlich". Angesichts der Nachwirkungen der geplatzten Fusion mit der Deutschen Bank spielten für die Dresdner aber vorerst noch "emotionale Faktoren" eine Rolle. Das Institut müsse zunächst einmal "Ruhe" in die Mitarbeiter bringen und werde daher die Fusionsgespräche langsam angehen, sagte Haid. "Innerhalb eines Jahres kann ich mir ein Zusammengehen aber sehr gut vorstellen."

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