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13.07.2000

16:49 Uhr

Der Tod des Sozialdemokraten löste in allen politischen Lagern Trauer aus

Früherer NRW-Finanzminister Schleußer gestorben

Der SPD-Politiker war zwölf Jahre lang für den größten aller Länderhaushalte verantwortlich. Ende Januar hatte er das Ministeramt wegen seiner Verwicklung in die Düsseldorfer Flugaffäre verloren.

dpa DÜSSELDORF. Der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister Heinz Schleußer (SPD) ist im Alter von 64 Jahren gestorben. Ein halbes Jahr nach seinem Rücktritt erlag Schleußer am späten Mittwochabend in seiner Heimatstadt Oberhausen einem Krebsleiden. Der SPD-Politiker war zwölf Jahre lang für den größten aller Länderhaushalte verantwortlich. Ende Januar hatte er das Ministeramt wegen seiner Verwicklung in die Düsseldorfer Flugaffäre verloren.

Der Tod des Sozialdemokraten löste in allen politischen Lagern Trauer aus. Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) würdigte Schleußer als treuen politischen Weggefährten und Freund. Der SPD - Landesvorsitzende Franz Müntefering sagte, mit Schleußer verliere die SPD "einen ihrer ganz Großen". CDU-Fraktionschef Jürgen Rüttgers nannte Schleußer "ein politisches Urgestein, vor dem man auch als politischer Gegner eine große menschliche Hochachtung hatte". Bauminister Michael Vesper (Grüne) nannte Schleußer einen "fairen Partner". Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Horst Engel sagte, Schleußer habe sich Verdienste um das Land erworben.

Berichte über angebliche Privatflüge Schleußers mit Chartermaschinen der Westdeutschen Landesbank (WestLB) hatten Ende vergangenen Jahres die Flugaffäre ausgelöst. Verfehlungen konnten dem Düsseldorfer Kassenwart in einem Untersuchungsausschuss aber nicht nachgewiesen werden. Dennoch musste Schleußer zurücktreten, weil er bei zwei Dienstflügen seine langjährige Freundin mitgenommen, dies aber öffentlich bestritten hatte.

Schleußer war einer der engsten politischen Weggefährten des früheren NRW-Regierungschefs und heutigen Bundespräsidenten Johannes Rau. Als langjähriger Vorsitzender des Finanzausschusses des Bundesrates gestaltete der gelernte Schlosser jahrelang die Haushalts- und Steuerpolitik in Deutschland mit. Für die Bundesländer führte er die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst. In Nordrhein-Westfalen gehörte er 25 Jahre lang zur engsten Führungsspitze der SPD. Auch im Bundesvorstand hatte seine Stimme großes Gewicht.

Schleußer war im Herbst 1997 an Lungenkrebs erkrankt. Nach einer gut halbjährigen Therapie kehrte der Vater von fünf Kindern auf die politische Bühne zurück und nahm seine Amtsgeschäfte wieder auf. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt im März vor dem Düsseldorfer Untersuchungsausschuss war er von seiner Krankheit bereits deutlich gezeichnet. dpa ch yynwd ik

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