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09.06.2000

18:48 Uhr

Der US-Konzern verbindet Größe mit raschem Wachstum.

Börsen-Weltreise: Pfizer hat nicht nur blaue Pillen

VonSusanne Wesch , New York

Viagra hat Wunder bewirkt: Über Nacht war der US-Pharmakonzern Pfizer in aller Welt bekannt. Selbst Meldungen, dass die Einnahme der himmelblauen Tablette zum Tode führen kann, taten der Popularität kaum Abbruch.

Rund vier Millionen Männer nehmen allein in den USA regelmäßig Viagra ein, schätzt der Hersteller. Der Bayer-Konzern gab kürzlich bekannt, dass er in zwei Jahren ebenfalls ein Mittel gegen Impotenz auf den Markt bringen will, auch Schering-Plough und Eli Lilly testen eigene Potenzpillen. Doch bis zum Sommer gehört Pfizer dieses Marktsegment allein. 1999 brachte Viagra - im zweiten Verkaufsjahr - einen Umsatz von mehr als einer Mrd. Dollar.

Ende des vergangenen Jahres hatte Pfizer-Chef William Steere seinen Konzern in die Schlagzeilen gebracht mit einem feindlichen Übernahmeangebot für den US-Pharmakonzern Warner-Lambert. Nach einem fast vier Monate dauernden Übernahmekampf bekam Pfizer den Zuschlag - für rund 90 Mrd. Dollar. Damit wird der US-Konzern weltweit die Nummer zwei der Branche, hinter Glaxo/Smithkline. Der Grund für die Schlacht: Pfizer wollte das Erfolgsmedikament Lipitor - ein Mittel gegen Sodbrennen - nicht an andere Übernehmer verlieren. Der Konzern vermarktet das Medikament gemeinsam mit dessen Hersteller Warner-Lambert. Analysten erwarten, dass Lipitor bis 2005 das meistverkaufte Arzneimittel der Welt ist, mit einem Umsatz von zehn Mrd. Dollar. "Pfizer und Warner-Lambert ergeben eine eindrucksvolle Kombination der beiden am schnellsten wachsenden Unternehmen der Branche", meint David Saks, Fondsmanager beim Investmenthaus Gruntal. Steven Tighe, Analyst beim Investmenthaus Merrill Lynch, hat Pfizer gerade auf die Liste der Top-Empfehlungen gesetzt. Der Konzern sei "der bestpositionierte in der Branche". Die Übernahme von Warner-Lambert verlaufe vielversprechend. Vor der Fusion hatten sich Branchenexperten skeptisch gezeigt, ob der Konzern die versprochenen Einsparungen realisieren kann. Der Grund: Pfizer hat keine Erfahrung mit Übernahmen dieser Größenordnung.

Auch an der Pharmasparte von Monsanto hat Pfizer-Chef William Steere Interesse gezeigt. Sein Konzern vermarktet gemeinsam mit Monsanto Celebrex, ein Mittel gegen Arthritis. Gefahr könnte den Pharmakonzernen von staatlicher Seite drohen: Es wird eine Reform des Gesundheitswesens diskutiert, nach der rezeptpflichtige Medikamente in den Versicherungsschutz einbezogen und die Preise staatlich festgesetzt werden sollen. Im Wahlkampf ist dies ein heißes Thema. Doch die Branche bleibt optimistisch. "Es ist wahrscheinlich, dass mehr geredet als getan wird", sagt etwa Merck-Chef Raymond Gilmartin.

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