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25.05.2000

19:33 Uhr

Der grauhaarige, großväterlich wirkende Richter Thomas Penfield Jackson hat sich für Microsoft in den vergangenen Monaten schon des Öfteren als harte Nuss erwiesen. Nun zeigt sich der US-Bezirksrichter in Washington entschlossen, das Aufsehen erregende Kartellverfahren gegen den Softwaregiganten zügig zu Ende zu bringen. Am Mittwochabend brüskierte er die mit der Verteidigung von Microsoft beauftragte Anwaltsriege, indem er ihren Antrag um eine Fristverlängerung von sechs Monaten harsch ablehnte. Seine Begründung: das Verfahren laufe schließlich schon seit zwei Jahren.

Damit zerstörte er Microsofts Hoffnungen auf eine politische Lösung des belastenden Kartellprozesses. Das Unternehmen hatte darauf gesetzt, dass der republikanische Präsidentschaftskandidat George Bush jr. nach den Novemberwahlen ins Weiße Haus einzieht und die ungeliebte Chefin des Justizministeriums, Janet Reno, samt ihrem die Anklage leitenden Adlatus Joel Klein hinauswirft. Danach, so das Kalkül, könnte Microsoft mit freundlicher gesonnenen Regierungsvertretern eine friedliche Lösung finden. Doch die Rechnung geht nicht auf.

Daher bereitet sich Microsoft nun auf einen langjährigen Weg durch die Berufungsinstanzen vor. Das hat der Chef-Anwalt des Konzerns, William Neukom, nach der Zurückweisung des Antrags auf den Stufen des Gerichtsgebäudes bestätigt. "Wir haben noch einige Runden zu gehen", sagte er bitter.

Wie die Investoren an der Wall Street auf einen langjährigen Rechtsstreit zwischen Microsoft und dem US-Justizministerium reagieren werden, ist derzeit noch nicht abzusehen. Am Mittwoch ließ die Ankündigung des Richters Jackson, dass er die von ihm zu verantwortende Runde in den nächsten Tagen zu Ende bringen will, den Wert der in den letzten Wochen stark gebeutelten Microsoft-Aktie um zweieinhalb Dollar steigen.

Daraus lässt sich noch nicht ableiten, dass die Wall Street eine Aufspaltung das Softwaregiganten in zwei oder gar mehr "Baby Bills" generell begrüßt. Doch es gibt eine Reihe von Analysten, die eine Aufteilung als gute Chance für den Einstieg in gleich zwei starke Softwareunternehmen werten.

Gerade dieser Aspekt scheint aber den grauhaarigen Herrn auf der Richterbank mächtig zu stören. Jackson scheint eher eine Aufspaltung in drei oder mehr Unternehmen im Auge zu haben, um mehr Wettbewerb zum Nutzen des Verbrauchers zu garantieren. Das wurde am jüngsten Prozesstag des Mammutverfahrens deutlich: Im Gerichtssaal zitierte Jackson mehrfach entsprechende Vorschläge, die Microsoft-Rivalen und der US-Softwareverband gemacht hatten. Die Ankläger der Regierung forderte er auf, bis heute einen überarbeiteten Strafvorschlag einzureichen.

Die nächsten Tage versprechen somit noch reichlich Spannung im Fall "Die Vereinigten Staaten von Amerika gegen Microsoft".

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