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19.03.2003

07:00 Uhr

Der Wella-Chef im Porträt

Heiner Gürtler: Ein Mann der leisen Töne

VonCarsten Herz

Heiner Gürtler war die Enttäuschung anzumerken. "Sie können sich vorstellen, dass wir etwas überrascht sind", sagte der Wella-Chef mit leiser Stimme. Erst in den frühen Morgenstunden hatte ihm die Eigentümerfamilie Ströher am Telefon mitgeteilt, dass der traditionsreiche Haar- und Kosmetikkonzern an den US-Riesen Procter & Gamble verkauft werde.

DARMSTADT. Gürtler macht seinem Ärger darüber nicht Luft. Der Manager ist ein Mann der leisen Töne. Aber es ist ihm anzumerken, dass der Milliardendeal ihn geschockt hat. "Wir können unsere Enttäuschung über die deutliche Differenz zwischen dem Angebot für die Stammaktien und der Vorzugsaktien nicht verleugnen", sagt Gürtler mit matter Stimme.Doch die Schlacht hinter den Kulissen ist geschlagen, die Unabhängigkeit von Wella dahin.

Bis zur letzten Minute hatte Gürtler um die Eigenständigkeit des Familienunternehmens gerungen. Auch jetzt klingt Trotz in seiner Stimme mit, wenn er feststellt: "Aus Sicht des Unternehmens ist die bekannt gegebene Transaktion kein notwendiger Schritt."

Doch Gürtler ist auch ein Opfer des eigenen Erfolgs. Denn der hoch gewachsene Manager, der Wella seit Juni 2000 führt, stellte nach seinem Amtsantritt ehrgeizige Wachstumsziele auf: Der Haarpflegespezialist sollte schneller wachsen als der Weltmarktführer L?Oreal und den großen Konkurrenten bis 2005 im internationalen Friseurgeschäft von der Spitze verdrängen. Bisher hielt Gürtler trotz der Konsumflaute Kurs. Der Darmstädter Kosmetikkonzern steigerte selbst im Krisenjahr 2002 den Umsatz um 11 %, das operative Ergebnis legte sogar überproportional zu. Großinvestoren lockte das attraktive Investment.

Zumindest den neuen Aktionär Henkel kennt Gürtler bestens. Fast 20 Jahre lang war er dort Mitglied der Geschäftsführung, bevor er 1990 zu Wella kam. Für Henkel war er in Portugal, im Iran und Großbritannien. Den Großteil seiner Karriere verbrachte der studierte Volkswirt im Ausland. Bei Wella baute er das neue Geschäftsfeld Duft und Kosmetik auf. Mit Erfolg: Die Kölner Wella-Tochter Cosmopolitan Cosmetics hatte in den vergangenen Jahren mit starken Marken wie Gucci, Bogner und 4711 regelmäßig den größten Spartenzuwachs. Trotzdem sind sich Experten sicher, dass der Vater von vier Söhnen nun um seinen Spitzenjob bangen muss.

Mindestens noch vier Monate wird es allerdings dauern, schätzt Gürtler, bis Procter & Gamble endgültig das Rudern bei Wella übernommen haben wird. So lange werde es keine wesentlichen Änderungen bei Wella geben.

Bis dahin hat Gürtler noch viel zu tun. Er muss die verunsicherte Belegschaft beruhigen und die Weichen für den Inhaber-Wechsel stellen. Doch der Manager hat schon dramatischere Machtwechsel erlebt. Gleich zweimal hat er auf seinen Auslandsstationen im Iran und in Portugal hautnah erlebt, wie eine Revolution das Land erschütterte. Gelassen stellte er darum noch vor wenigen Tagen fest: "Ich habe schon turbulentere Zeiten als diese mitgemacht."

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