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29.05.2000

19:15 Uhr

PROFIL Antony Burgmans Ein Charismatiker oder ein Charmeur ist Antony Burgmans sicher nicht. Doch ist er auch nicht so langweilig, wie viele bei seinem Start glaubten: Der neue Unilever-Chef bringt Leben in seinen Konzern. "Ich wollte immer in die Welt hinaus", sagt Antony Burgmans. Das hat er geschafft - und arbeitet heute doch nur einen Steinwurf entfernt von der Straße in Rotterdam, in der er einst geboren wurde. Die Nähe zur Zentrale von Unilever hat ihn offenbar geprägt: Sein gesamtes berufliches Leben verbrachte der 53-Jährige in den Armen des britisch-niederländischen Konsumgüterkonzerns - und kam mit ihm in die Welt hinaus: Nach seinen Studien der Betriebswirtschaft, Politikwissenschaft und des Marketings in den Niederlanden, Schweden und Großbritannien arbeitete Burgmans 14 Jahre lang in Deutschland, Großbritannien und Indonesien, bevor er 1991 stellvertretender Vorstandsvorsitzender wurde.

Vor einem Jahr bezog er das Büro des Firmenchefs im futuristischen Unilever-Bau. Der sachlich wirkende Burgmans kennt den Gemischtwarenladen in- und auswendig, vom Eis bis zu Körperpflegeprodukten und Spülmitteln. Gemäß der Firmentradition kann er bis 2009 die Geschicke des Konzerns bestimmen. Dann erreicht Burgmans die hausinterne Altersgrenze von 62. Eigentlich könnte er es langsam angehen lassen, um seine Pläne zusammen mit seinem ein Jahr älteren Stellvertreter Niall FitzGerald umzusetzen. Doch Burgmans drückt aufs Tempo.

Kaum im Amt, verkündete er das Aus für 1 200 Marken und den Abbau von 25 000 Arbeitsplätzen. Wenig später verschärfte er die Vorgabe sogar noch. Damit machte der Marketingexperte seinem Ruf als Mann der harten Linie alle Ehre: Burgmans gilt als derjenige, der die jahrzehntelang schwache Gewinnmarge Unilevers in Europa aufmöbelte und die Produktion auf wenige Standorte konzentrierte. "Er hat seine Ziele fest im Blick und setzt die Menschen unter großen Druck", sagt ein Mitarbeiter. Ein anderer stöhnt: "Manchmal fragt man sich, ob er weiß, welche enorme Mühe hinter seinen ehrgeizigen Zielen steckt."

Burgmans brennt vor Ehrgeiz und wirkt bisweilen barsch und unwirsch. Wie ein Oberlehrer, der genug gehört hat, fügt er seinen Antworten gern ein fragendes "OK?" an. Doch er ist nicht immer so. Andere Mitarbeiter erleben ihn häufig als humorvollen Team-Spieler: gemeinsam verlieren, gemeinsam gewinnen. Nie würde er einen Erfolg nur für sich verbuchen - nicht die hoch gelobte Markenstrategie und auch nicht den ihm zugeschriebenen Siegeszug der Eismarke "Magnum".

Man könne ihn auch herausfordern, sagt jemand, der ihn oft sieht. Er lasse intensiv diskutieren, könne trotz seiner Ungeduld gut zuhören und lasse sich von stichhaltigen Argumenten überzeugen. Sobald aber die Richtung klar sei, werde er "entschieden-dominant", sagt Burgmans über sich selbst.

Burgmans sehe stets die positive Seite, schildern Mitarbeiter. Wenn etwas klappe, lobt er persönlich. Und wenn was schief geht, will der Chef hören, was man aus dem Fehler gelernt hat und was andere daraus lernen können. "Wer keine Fehler macht, ist kein Unternehmer" lautet seine Devise.

Burgmans erwartet Unternehmergeist, wie er ihn einst in Indonesien erlebte. Dort, wo die Menschen mit bescheidenen Mitteln vergleichsweise viel erreichen. Verantwortung delegieren ist dem Unilever-Chef daher wichtig. Er gebe auch jungen Menschen die Chance, sich beweisen zu können. Das kommt gut an.

Burgmans gibt als Motto aus: "Sei enthusiastisch, setze Dich hundertprozentig ein, genieße die Arbeit und vor allem: Bleibe Du selbst." Der Spaß an Problemlösungen sei das Wichtigste, um einen so großen und heterogenen Konzern erfolgreich zu leiten, sagt er. Jeder müsse aber Beruf und Freizeit ins Gleichgewicht bringen, da der Bogen nicht allzeit gespannt sein könne.

"Auch wenn es 1999 nicht gelang: Ich versuche alle Urlaubstage zu nehmen, die mir zustehen", sagt Burgmans. Dann golft er, fährt Ski, wandert mit seiner Frau, den beiden Kindern und den zwei Hunden in den Bergen oder geht auf Safari.

Draußen, in der Natur schöpft Burgmans neue Kraft - und deshalb liegt ihm auch der Umweltschutz am Herzen. Auch hier soll Unilever Vorreiter sein. Naturliebe und Marketing-Geschick dürften dabei Hand in Hand gehen.Seite 15

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