Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2002

12:58 Uhr

"Der Wettbewerb ist heute bereits scharf und die Margen sind keineswegs üppig"

Verbandskritik an EU-Plänen zum Autohandel

Mit scharfer Kritik hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) auf die jüngsten Pläne der Europäischen Union (EU) zur Änderung der so genannten Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) für Neuwagenhändler reagiert.

rtr FRANKFURT. Das Auflösen der exklusiven Bindung zwischen Autohändlern und-herstellern werde zu einer erheblichen Marktkonzentration führen und einer Vielzahl mittelständischer Autoverkäufer die Existenzgrundlage entziehen, sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk am Mittwoch in Frankfurt. "Der Wettbewerb ist heute bereits scharf und die Margen sind keineswegs üppig." Durch den Wegfall der GVO würden Händler, Hersteller und Verbraucher schlechter gestellt.

Die GVO genehmigt den Automobilherstellern in Europa derzeit noch exklusive Verträge mit ihren Händlern. Demnach können Autoverkäufer zum Beispiel nur bestimmte Marken in festgelegten Regionen verkaufen. Zudem müssen sie Repararturen und ähnliche Serviceleistungen zumindest über eine Vertragswerkstatt anbieten. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti will die im Herbst auslaufende GVO in der jetzigen Form nicht verlängern und statt dessen liberalere Regelungen durchsetzen. Monti begründet dies in erster Linie mit dem Ziel, einen freieren Wettbewerb und niedrigere Preise erreichen zu wollen.

Nach VDA-Angaben soll es nach dem jüngsten EU-Entwurf zur GVO Autoherstellern mit einem Marktanteil von über zehn Prozent nicht mehr möglich sein, die Standorte der Verkaufsstellen ihrer Vertragshändler festzulegen. Damit habe Monti die zuvor anvisierte Marke von 15 % Marktanteil sogar noch verschärft, sagte Gottschalk. Von dieser Neuregelung wären wohl nur die europäischen Konzerne, nicht aber die Konkurrenz etwa aus Fernost betroffen, womit der Wettbewerb verzerrt werde, kritisierte der VDA-Chef.

Zudem würde durch die Neuregelung, dass die Autohändler künftig unterschiedliche Marken verkaufen dürften, die "Markenexklusivität in hohem Maße gefährdet". Vor allem die deutschen Autoproduzenten hätten hart an ihrem Markenimage "Made in Germany" gearbeitet, dem nun eine Aufweichung drohe. Die Trennung von Service und Vertrieb, wie der EU-Entwurf sie vorsehe, würde den Dienst am Kunden verschlechtern und könnte sogar zu Lasten von Sicherheit und Umwelt gehen, warnte Gottschalk.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×