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20.05.2000

15:01 Uhr

Der zurückhaltende Taktierer verkörpert den britischen Geschäftsmann alten Stils

John Towers, Chef von Rover

VonANDREAS HOFFBAUER

Mit dem Kauf der kriselnden britischen Automobilfirma betreibt der ehemalige Chef von Rover auch ein Stück Vergangenheitsbewältigung: Towers war stets gegen die Übernahme durch BMW.

Wie auch immer die Zukunft von Rover aussehen wird, John Towers gilt in Großbritannien schon jetzt als Retter einer ganzen Region. Der Manager aus den Midlands hat mit der Übernahme der angeschlagenen britischen Automobilfirma durch das von ihm geführte Phoenix-Konsortium ein Stück Industriegeschichte geschrieben. Für ihn sei die Vertragsunterzeichnung mit BMW "ein bewegendes Ereignis gewesen", erklärt der Sieger im Rover-Poker strahlend. Das war s dann aber auch schon.

Der 52-jährige Towers ist keiner, der auf die Pauke haut oder gar das Bad in der Menge liebt. So sicher er hinter den Kulissen taktiert, auf dem Podium wirkt er eher unbeholfen. Selbst das Glas Champagner, das jubelnde Rover-Werker Towers bei seiner Ankunft im Werk Longbridge durchs Autofenster seine Rover-Limousine reichen, hält er wie eine heiße Kartoffel. Kein Prost, kein Schluck, kein Hipp-Hipp-Hurra.

Towers verkörpert den britischen Geschäftsmann alten Stils: Immer freundlich, stets zurückhaltend, kein Wort zu viel. Doch hinter der Fassade des eingefleischten Automannes brodelt es. Schließlich musste Towers miterleben, wie Rover vom damaligen Eigentümer British Aerospace an den BMW-Konzern verkauft wurde - gegen seinen Willen. Dass er nun die schwierige Rolle als Rover-Retter angenommen habe, hänge durchaus mit "Emotionen der Vergangenheit" zusammen, erklärte Towers denn auch sehr britisch - freundlich, aber deutlich.

Viele sehen gerade darum seinen Einsatz für die britische Autoindustrie kritisch. Der ehemalige Rover-Chef wolle eigentlich nur zurück auf seinen alten Posten, merkt etwa die "Times" an. Vielleicht um diesen Eindruck zu vermeiden, erklärte Towers nach dem erfolgreichen Verhandlungsmarathon mit BMW, er werde die neue Rover Company nur auf Zeit führen. Gemeinsam mit seinem früheren Kollegen und Ex-Rover-Design-Chef Nick Stephenson will er so schnell wie möglich einen neuen Rover-Chef finden.

Towers selbst hatte diesen Posten einst flott erklommen. Der in Yorkshire geborene Maschinenbauer arbeitete zunächst einige Jahre für den Traktorenhersteller Massey-Ferguson, bis er 1988 zu Rover wechselte. Dort wurde er bald Entwicklungschef, dann Managing Director und schließlich Chief Executive. Das war 1994, in dem Jahr, als Rover an BMW verkauft wurde. Damit war auch das Ende seiner Rover-Karriere besiegelt. Denn Towers hatte sich für eine Übernahme durch den japanischen Honda-Konzern stark gemacht. 1996 trat Towers von seinem Posten in Longbridge zurück. Bei der Belegschaft war Towers, der lieber locker gekleidet und ohne Chefgehabe daher kommt, beliebt. Vor allem, weil Rover unter seiner Führung aus der Verlustzone fuhr. Diesen Erfolg konnte Towers als Chef der ebenfalls in den Midlands angesiedelten Maschinenbaufirma Concentric nicht wiederholen. Das Unternehmen rutschte von der Gewinn- in die Verlustzone. Hauptkunde des Herstellers von Amaturenbrettern und Pumpen ist das nahe Rover-Werk in Longbridge.

Finanziell muss sich der gut aussehende Towers keine Sorgen machen. Der Vater von zwei fast erwachsenen Kindern, der mit Ehefrau Bethanie seine Freizeit am liebsten auf dem Golfplatz verbringt, hat früher bei Rover gut verdient: 1,5 Millionen Mark im Jahr. Auch daran dürfte sich der pfiffige Taktierer erinnert haben, als er jetzt in die Rolle des Retters von Rover geschlüpft ist.

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