Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.05.2000

15:25 Uhr

Der zurückhaltende Vermittler genießt viel Vertrauen

Profil: United-Airlines-Chef James Goodwin

Der Kauf von US Airways ist der Höhepunkt in der Karriere des 55-Jährigen, der mit der Macht der Gewerkschaften an die Spitze von United gelang.

Noch vor knapp über einem Jahr sah es so aus, als habe James Goodwin, damals Senior Vice President der Fluggesellschaft United Airlines, seinen Karrieregipfel erreicht. Jetzt scheint seine damalige Position nur ein Zwischenschritt auf dem Weg nach ganz oben gewesen zu sein. Goodwin ist künftig Chef der größten Fluggesellschaft der Welt mit zusätzlicher Stärke im Nordwesten der USA, wenn die geplante Fusion mit der Fluggesellschaft US Airways zustande kommt.

Goodwin, seit 33 Jahren bei United, hat sich langsam aber beständig an die Spitze gearbeitet. Seine zurückhaltende Art und sein Talent als Vermittler und aufmerksamer Zuhörer haben ihm das Vertrauen der Mitarbeiter und der bei US-Fluggesellschaften traditionell starken Gewerkschaften eingebracht.

Das war im vorigen Jahr der entscheidende Vorteil, als es um die Nachfolge an der Spitze des Unternehmens ging: Goodwin stach seinen Konkurrenten John Edwardson aus, weil die mit 55% an United beteiligten Gewerkschaften ihn unterstützten. Sie kannten Goodwin als einen Manager, der auch bei harschen Konflikten noch zu konstruktiven Kompromissen fähig war.

An dem Zuspruch der Gewerkschaften merkte auch der UAL-Verwaltungsrat, dass Goodwin für den Spitzenposten am besten geeignet war. "Er hört extrem aufmerksam zu", lobt ihn ein Direktor der Fluggesellschaft. "Und er lässt niemals zu, dass sein Ego bei Verhandlungen im Wege steht."

Seit der Ernennung zum Unternehmens-Chef im März 1999 hat Goodwin alles daran gesetzt, seinen guten Ruf zu behalten. Er nutzt die Kenntnisse als Veteran im Unternehmen, um seine Führungsstärke auszubauen. "Er ist viel zugänglicher und redet viel häufiger mit den Mitarbeitern als sein Vorgänger es getan hat", beschreibt Glenn Engel, Analyst beim Investmenthaus Goldman Sachs.

So beliebt Goodwin bei den Mitarbeitern auch war: Für Außenstehende blieb er lange Zeit ein Unbekannter. In der Öffentlichkeit wirkte er wenig charismatisch, seine Reden waren zwar inhaltlich aussagekräftig aber nur bedingt medienwirksam. An diesen Schwächen hat Goodwin gearbeitet. Er traf sich öfters mit Investoren und Analysten und wird inzwischen für seine Präsentationen gelobt.

Der 55-Jährige hat seit seinem ersten Job als Buchhalter bei United, den er 1967 antrat, sein Privatleben dem Beruf untergeordnet. Er ist unzählige Male umgezogen, um immer neue Aufgaben zu erfüllen.

Vor seiner Berufung an die Unternehmensspitze war er für das Nordamerika-Geschäft von United Airlines verantwortlich. "Ich war bereit, persönliche Opfer zu bringen und immer wieder neu anzufangen", kommentiert Goodwin seinen Karriereweg in einem Interview. Seine Tochter besuchte innerhalb von zwölf Jahren sieben Schulen. Goodwins freundliche Art war ein Pluspunkt für seine Karriere: "Ich habe schon früh gelernt: Wenn man im Geschäftsleben erfolgreich sein will, muss man mit Menschen umgehen können", sagt er.

Doch trotz seiner Beliebtheit sind die Verhandlungen mit den Gewerkschaften nach wie vor konfliktbeladen. So stehen sowohl schwierige Verhandlungen mit der Gewerkschaft der Piloten als auch mit den Maschinenschlossern an. Analysten glauben, dass die guten Beziehungen von Goodwin zu den Gewerkschaften bisher nicht viel dazu beigetragen hätten, die Gespräche zu erleichtern. Diese Verhandlungen und die Fusion mit US Airways könnten nun zu den größten Herausforderungen in Goodwins gesamter Karriere werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×