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07.01.2003

08:24 Uhr

Der zweistellige Anstieg der Weizenpreise könnte in diesem und im kommenden Jahr ungebremst anhalten

Agrargüter werden auch 2003 teurer

Im vergangenen Jahr verteuerten sich Agrargüter im Schnitt um 8,6 Prozent. Die Gründe waren niedrigere Ernten nach Jahren rückläufiger Preise, politische Unruhen und ungünstige Witterung. Für 2003 rechnen Experten mit weiter steigenden Preisen, obwohl sich der Auftrieb im vierten Quartal 2003 verlangsamte.

cla London. An den Rohstoffmärkten für Agrargüter verlief die Entwicklung im abgelaufenen Jahr zum Teil recht turbulent: Kakao verteuerte sich im Jahresschnitt um 65 %. Der Grund waren die durch politische Unruhen verursachten Lieferausfälle an der Elfenbeinküste, dem bei weitem größten Kakaoexporteur der Welt. Die zweithöchsten Preissteigerungen registrierte der Komplex Ölsaaten. Hier legte Palmöl um 36 % zu, 2003 soll ein weiterer Ansteig von über 20 % folgen.

Die Londoner Economist Intelligence Unit, EIU, beziffert den durchschnittlichen Anstieg der Agrargüterpreise 2002 auf etwa 8,6 %. Niederigere Ernten nach Jahren rückläufiger Preise sei der Hauptgrund für die festere Tendenz gewesen. Für 2003 geht die EIU von einem ähnlichen Preisanstieg aus, ungeachtet der Verlangsamung des Preisauftriebs im letzten Quartal 2002.

Zucker war die große Ausnahme. Im Jahresdurchnitt verbilligte er sich 2002 nach den Berechnungen der EIU um etwa 22 %. Die geringfügige Preisbefestigung seit Mitte November sei die Folge steigender Käufe im Nahen Osten aus Angst vor Versorgungsschwierigkeiten im Falle eines Krieges gegen den Irak. An der grundlegenden Tendenz für Zucker werde sich in den nächsten beiden Jahren aber kaum etwas ändern, schreiben die Londoner Experten. Die Überproduktion werde weiter zunehmen und damit die bereits hohen Vorräte anschwellen lassen. Sie könnten 2004/05 über die Hälfte des jährlichen Verbrauchs erreichen, gegenüber 43 % 2000/01. Auch die EU werde 2003 kräftig zur Welt-Zuckerschwemme beitragen, wenn sie ihre Ausfuhren um voraussichtlich 40 % steigere. Mögliche Quotenbeschränkungen würden erst 2003/04 greifen.

Die Weizenpreise haben ihren im Oktober erreichten Fünfjahresrekord zwar hinter sich, aber ihr Anstieg im Jahresschnitt 2002 betrug immer noch etwa 17 %. Verantwortlich dafür waren wesentlich die Ernteeausfälle in Nordamerika und Australien. Diese konnten nur zum Teil durch bessere Ernte in Europa, Russland und der Ukraine ausgeglichen werden. Ein wachsender Teil der Versorgung mußte aus Vorräten gedeckt werden.

Für 2003 gehen Analysten von einem weiteren Anstieg der Weizenpreise um etwa 10 % aus. Im Jahr 2004 könnten diese dann nur eine ähnliche Größenordnung erreichen, weil höhere Preise zu einer zu einer erhöhten Aussaat führen, erwartet der Internationale Getreiderat, IGC, in London.

Nach Verlusten von etwa 30 % im Vorjahr kam der Preisverfall bei Kaffee 2002 zum Stillstand. Die Preise der vorwiegend aus Vietnam und Afrika angebotenen Robustas sollen nach einem Plus von 8,5 % in diesem Jahr um weitere 4 % zulegen. Die Preise für die hauptsächlich in Lateinamerika angebauten höherwertigen Arabicas sollen fest notieren.

Seit ihrem Tiefstand haben die Preise für Robustas in London wegen einer verspäteten und geringeren Ernte in Vietnam um 50 % zugelegt. Die in New York gehandelten Arabicas haben sich von 38 Cents auf knapp 60 Cents je Pfund erholt. Der Hauptgrund dafür: Brasilien, dem größten Kaffeeexporteur der Welt, droht 2003/04 eine wesentliche kleinere Ernte als in den vorangegangen Jahren.

Quelle: Handelsblatt

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