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27.01.2002

19:00 Uhr

Designierter Chef Ackermann setzt sich gegen COO durch

Deutsche Bank: Fischer verliert Machtkampf

Seit Wochen ringt der Vorstand der Deutschen Bank heftig um neue Organisationsstrukturen. Jetzt hat sich der Machtkampf entschieden. Bankenaufseher betrachten die Pläne allerdings mit Skepsis.

Josef Ackermann, Foto: ap

Josef Ackermann, Foto: ap

egl/fs/hjk/po FRANKFURT/LONDON. Thomas Fischer hat den Machtkampf mit dem designierten Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, offenbar verloren. Wie das Handelsblatt erfuhr, wird der bisherige Chief Operating Officer (COO) und oberste Risikomanager Fischer voraussichtlich bei der Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch seinen Rücktritt einreichen. Innerhalb der Bank wird vermutet, dass sich der 54-Jährige mit sofortiger Wirkung von seinen Pflichten entbinden lässt. "Es wäre eine Überraschung, wenn er nicht sofort zurücktritt", sagte ein Manager dem Handelsblatt.

Dem Vernehmen nach zieht sich Fischer nicht freiwillig zurück. Ein Vorstandskollege kommentierte die Rücktrittspläne mit den Worten: "Wer mit dem Feuer spielt, droht sich zu verbrennen." Offenbar hatte Fischer zuletzt die Gunst von Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer und Aufsichtsratschef Hilmar Kopper verloren.

Fischer, dem einst selbst Ambitionen auf den Chefsessel der Bank nachgesagt worden waren, hatte sich vehement gegen das von Ackermann vorangetriebene angelsächsische Führungsmodell gewandt. Ackermann weigerte sich dann auch, Fischer stärker in die neue Führungsstruktur einzubinden.

Fischers Position des COO wird wahrscheinlich Hermann-Josef Lamberti übernehmen. Er gibt dafür das Privatkundengeschäft ab. Richard Evans und Hugo Benzinger sind bisher die maßgeblichen Risikomanager unterhalb Fischers und werden als dessen Nachfolger als oberster Risikomanager gehandelt. Es sei aber unklar, ob es diese Funktion im neuen Vorstand noch geben werde.

Auf der Sitzung am Mittwoch wird der Aufsichtsrat über die neue Struktur der Bank entscheiden, die am Donnerstag zusammen mit den Zahlen für 2001 bekannt gegeben werden soll. Nach den bisher bekannten Plänen wird für das Tagesgeschäft unterhalb des verkleinerten Vorstands ein Exekutiv-Komitee aus etwa einem Dutzend Spitzenmanagern geschaffen. Dabei dürfte es sich um vier Vorstandsmitglieder handeln, vier Manager aus der Corporate- und Investment-Bank (CIB) und drei weitere aus dem Privatkundengeschäft.

Von den Vorstandsmitgliedern sollen neben Ackermann und Lamberti die bisherigen Vorstände Clemens Börsig (Finanzen) und Tessen von Heydebreck (Personal) in das Komitee einziehen. Ackermann soll Chairman werden. Die neue Führungsstruktur wird wegen der großen Machtfülle Ackermanns von Bankenaufsehern kritisch beobachtet. Deren Zustimmung steht noch aus. Kritisiert wird auch, dass nicht alle Mitglieder des Komitees über die im Kreditwesengesetz geforderte Qualifikation verfügen.

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