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03.01.2003

08:17 Uhr

Detroit-Motorshow soll kein Krisengipfel werden

Autos „Made for the USA“

VonCarsten Herz

Für die deutschen Autohersteller beginnt das neue Jahr mit einem Paukenschlag. Eine gute Präsentation auf der ersten wichtigen Automesse dieses Jahres, der North American International Autoshow in Detroit, ist für die Hersteller Pflicht. Auch in diesem Jahr setzen die deutschen Konzerne darauf, ungeachtet der weltweiten Flaute im größten Automarkt der Welt weiter zulegen zu können. Das US-Geschäft ist damit der Hoffnungsträger der deutschen Schlüsselbranche, denn die Aussichten für das Autojahr 2003 sind hier zu lande alles andere als rosig.

Bild von der Detroit-Motorshow 2001. Foto: dpa

Bild von der Detroit-Motorshow 2001. Foto: dpa

DETROIT/FRANKFURT. Der Präsident des Automobilverbandes VDA, Bernd Gottschalk, rechnet auf dem deutschen Markt mit erneut rund 3,24 Mill. Neuzulassungen und damit einem vierten schlechten Jahr in Folge. In den wichtigen Märkten in Westeuropa müssen sich die Autobauer sogar auf sinkende Verkaufszahlen einstellen. Auch für Nordamerika kalkuliert der VDA mit weniger verkauften Autos im nächsten Jahr. Wenn die Deutschen hier zulegen wollen, geht das nur, indem sie ihren Marktanteil steigern. Bislang waren sie mit dieser Strategie durchaus erfolgreich: Auf dem Pkw-Markt haben sie ihren Anteil seit 1990 auf rund zehn Prozent verdreifachen können.

Das Lächeln der Manager auf den Ständen in Detroit hat deswegen seine Berechtigung, auch wenn es in diesem Jahr wieder etwas angestrengt ausfallen dürfte. Die deutschen Hersteller wollen sich das aber natürlich nicht anmerken lassen und reisen offiziell "mit Optimismus" in die Stadt, in der das Herz der US-Automobilindustrie schlägt. Immerhin zählen die meisten Autos "Made in Germany" zum gehobenen Segment und sind deshalb weniger konjunkturanfällig. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge deutscher Hersteller stieg entsprechend kontinuierlich. Bislang hat nur Porsche seit dem September Absatzrückgänge hinnehmen müssen, aber auch dort zeigt die Kurve zum Jahresende mit Einführung der dritten Baureihe schon wieder leicht nach oben.

Deutsche Hersteller stellen sich auf amerikanischen Geschmack ein

Die meisten deutschen Hersteller hoffen mit neuen, auf den US-Markt zugeschnittenen Modellen, der weltweiten Flaute begegnen zu können. Mit sportlichen Luxus-Geländewagen, Großraum-Limousinen sowie Crossover-Modellen, die eine Mischung aus Van, Kombi und Offroader bilden, wollen sie das Herz und die Brieftasche der amerikanischen Autofahrer erobern. Porsche fährt den Geländewagen Cayenne auf, der mehr als die Hälfte seiner Käufer in den USA finden soll. Volkswagen hält mit dem Pendant Touareg und der Oberklassen-Limousine Phaeton dagegen und BMW hofft mit seiner Studie für den neuen Geländewagen X3, der 2004 auf den Markt kommen soll, den Erfolg des X5 auf dem amerikanischen Markt zu wiederholen. Unübersehbar stellen sich die deutschen Hersteller dabei mit ihren Modellen immer stärker auf den amerikanischen Geschmack ein. Inzwischen überbieten sich die Konzerne mit Autos, die "Made for the USA" sind. Sie setzen dabei weniger auf herkömmliche Fahrzeugkonzepte, denn die gehören längst zu einer Minderheit auf den amerikanischen Straßen. Mehr als die Hälfte des Marktes macht das so genannte Light-Truck-Segment aus.

So stellt Mercedes-Benz eine neue Studie des GST (Grand Sports Tourer) in Detroit vor, eine Mischung aus Luxuslimousine, Van und Kombi, die klar den US-Markt im Auge hat. Der Wagen soll bereits ab Ende 2004 in den USA im Werk Tuscaloosa in ähnlicher Form produziert werden. Auch Audi will mit einem Crossover-Auto vom Jahr 2004 an in den USA auf Kundenfang gehen. In Detroit geben die Ingolstädter einen Vorgeschmack auf den Sechssitzer, der wie ein Zwitter aus dem VW Touareg und der Kombi-Studie A8 Avantissimo wirkt.

Detroit, Heimatstadt der US-Autoindustrie, ist für die deutschen Hersteller ein Stimmungstest. Die Erwartungen an den US-Markt sind hoch. Mercedes-Chef Jürgen Hubbert will mittelfristig den Marktanteil der Stuttgarter, der derzeit zwischen einem und 1,5 Prozent liegt, in den Vereinigten Staaten verdoppeln. Audi-Chef Martin Winterkorn will den Absatz der neuen Luxuslimousine A8 in den USA sogar verdreifachen.

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