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26.01.2001

18:23 Uhr

Deutliche Umsatzausweitung geplant – Überkapazitäten im Banknotendruck

Giesecke & Devrient setzt auf das Karten-Geschäft

Das Münchener Familienunternehmen Giesecke & Devrient will das Geschäft mit Chipkarten künftig weiter ausbauen. Im lange Jahre wichtigsten Geschäftsfeld Banknotendruck drohen dagegen Überkapazitäten. Im Geschäftsjahr 2000 stieg im Konzern der Umsatz, der Gewinn war aber rückläufig.

cbu HB MÜNCHEN. Die Zukunft der Giesecke & Devrient GmbH (G & D) liegt nach Angaben von Konzernchef Willi Berchtold im Kartengeschäft. Der Bereich, der sowohl Karten für mobiles Telefonieren in GSM-Netzen und für den bargeldlosen Zahlungsverkehr (inklusive Terminals) als auch ganze Ausweissysteme umfasst, erwirtschaftet heute schon fast die Hälfte des Konzernumsatzes. In den kommenden Jahren sei ein Umsatzanteil von bis zu zwei Dritteln angepeilt, sagte Berchtold jetzt vor Journalisten. Gleichzeitig werde eine weitere Internationalisierung angestrebt.

Das boomende Kartengeschäft hat auch für einen unerwartet starken Umsatzschub im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000 gesorgt. So stieg der Gesamtumsatz um mindestens 14 % auf über 2 Mrd. DM. Ursprünglich war eine Wachstum im "mittleren einstelligen Bereich" geplant. Für 2001 sei erneut ein Plus von wenigstens 15 % angepeilt, meinte Berchtold. Derzeit werden weltweit rund 6 000 Mitarbeiter beschäftigt.

Der Gewinn wird 2000 dagegen, wie geplant, zurück gehen, hieß es weiter. 1999 wurde ein Geschäftsergebnis vor Steuern von 193 Mill. DM erzielt. Grund für das Gewinnminus seien die hohen Investitionen von deutlich über 200 Mill. DM. G & D hat im vergangenen Jahr zwei Tochtergesellschaften ausgegründet: Die Secartis AG beschäftigt sich mit Sicherheitslösung im E-Business. Die C AG-Pays soll die Aktivitäten im Bereich E-Payment bündeln. Ein Gang beider Unternehmen an den Neuen Markt sei ab 2003 vorgesehen, sagte Berchtold. Damit wolle sich G & D unter anderem eine Akquisitionswährung für Zukäufe schaffen. Ein Börsengang des gesamten Konzerns, derzeit zu 100 % in Familienbesitz, stünde aber derzeit nicht an, hieß es. Ein solcher Schritt sei aber auch nicht für immer ausgeschlossen.

Das zweite große Geschäftsfeld des Konzerns ist der Banknotendruck. Hier sieht sich G & D hinter dem britischen De-la-Rue-Konzern weltweit auf Platz Zwei. Bei Banknotenbearbeitungsmaschinen sei G & D sogar Weltmarktführer, hieß es. Derzeit ist die Auftragslage insbesondere wegen des Großauftrags zum Druck des Euros gut. Die Erstaustattung für die neue europäische Gemeinschaftswährung liegt bei rund 12 Milliarden Scheinen. Davon werden etwa zwei Milliarden Euro-Banknoten bei G & D produziert. Trotz einer Panne bei der Produktion der Euro-Scheine im vergangenen Sommer werde der Großauftrag fristgerecht erfüllt, hieß es. Für die Zukunft erwartet G & D aber erhebliche Überkapazitäten im Banknotendruck in Europa. Für eine Restrukturierung seien bereits Rückstellungen vorgenommen worden. Zudem sollen die Kapazitäten mit Großaufträgen aus dem Ausland ausgelastet werden.

Gleichzeitig gab G & D die Übergabe eines 180 Mill. DM-Großprojektes in Ägypten bekannt. Damit würden rund 42 Millionen Ägypter mit dem nach G & D-Angaben weltweit modernsten und angeblich fälschungssicheren Personalausweis-System versorgt. G & D hat das komplette System geliefert - von der Erstellung der Ausweiskarten bis zur Erfassung der Daten. Das Projekt habe Pilotcharakter, hieß es. G & D stehe mit weiteren Staaten in Verhandlungen zur Einführung ähnlicher Systeme.

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