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22.01.2003

17:23 Uhr

Deutsch-französische Achse gegen Krieg

Bush sauer auf Schröder

Mit Zorn und Frust hat US-Präsident George W. Bush auf die deutsch-französische Front gegen den Irak-Krieg und insgesamt gegen den wachsenden Widerstand im Ausland reagiert. Ganz deutlich verschärfte er nicht nur den Ton gegenüber dem Irak, sondern auch die Rhetorik in Richtung Verbündete.

HB/dpa WASHINGTON. Von der Wiederholung eines "schlechten Films" sprach er mit Blick auf Forderungen, den UN - Inspekteuren und damit Saddam Hussein mehr Zeit zu geben. Und triefend von Ironie merkte Bush an, man sollte doch wohl annehmen, dass die Welt aus der Vergangenheit gelernt habe.

Nannte der Präsident bei seinen Attacken Bundeskanzler Gerhard Schröder auch nicht namentlich, hieß es in US-Kreisen doch, dessen vorgezogenes Nein zu einer etwaigen UN-Kriegsresolution habe ihn "irritiert". Man könne an fünf Fingern abzählen, dass das ohnehin nach wie vor strapazierte Verhältnis "davon nicht profitiert".

"Das Endspiel hat begonnen. Und das betrifft nicht nur den Irak, sondern auch Amerikas Freunde", kommentierte am Mittwoch die "Washington Post". Das Blatt bezog sich dabei nicht nur auf den als zunehmend "kriegerisch" bezeichneten Ton von Bush und anderen Regierungsvertretern, sondern auch auf eine von der US-Regierung gestartete massive Public-Relations-Offensive. Sie richtet sich neben dem Irak und widerspenstigen Verbündeten auch an die eigene Bevölkerung: Jüngste Umfragen zeigen nämlich, dass die Zustimmung zu einem Irak-Krieg bröckelt und eine Mehrheit der US-Bürger das Gleiche will wie Deutschland, Frankreich, China und auch Russland: mehr Zeit für die UN-Inspekteure.

Zum Auftakt der Werbe- und Überzeugungskampagne gab ein neu geschaffenes "Amt für Globale Kommunikation" einen umfassenden Bericht über Saddams "Lügenapparat" heraus. Vizeaußenminister Richard Armitage listete in einer scharfen Rede Saddams "Betrügereien und Täuschungen" auf und machte klar, dass so gut wie alle Möglichkeiten zur Vermeidung eines Krieges ausgeschöpft seien. An diesem Donnerstag wird der als "Falke" bekannte Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz in einem Vortrag in New York noch lauter ins selbe Horn stoßen. Experten gehen davon aus, dass diese Serie prominenter Wortmeldungen gezielt fortgesetzt wird.

Die Kernbotschaft der Offensive: Der Welt soll klar gemacht werden, dass die USA notfalls auch mit einer nur kleinen "Koalition der Willigen" handeln würden. Das Weiße Haus sieht nach Einschätzung von Politanalytikern in einer "Show der Entschlossenheit" die größte noch verbliebene Chance, rebellische Verbündete doch noch zum Einlenken zu bewegen. Bush selbst erinnerte kürzlich daran, dass es ja auch vor Verabschiedung der UN-Resolution im November Unkenrufe gegeben habe, die USA stünden völlig allein da. Am Ende sei das Votum einstimmig ausgefallen.

Damals ging es jedoch nicht konkret um die Frage, wo genau die Schwelle zu einer etwaigen Militäraktion liegt, und deshalb könne sich Bush diesmal gewaltig verrechnen, warnen indes Experten wie der Analytiker Ivo Daadler von der Denkfabrik Brookings Institution. Die USA liefen Gefahr, in den zweiten Golfkrieg mit der geringsten internationalen Unterstützung für eine Militäraktion seit dem Vietnamkrieg zu gehen.

Diese Sorge teilt auch der renommierte US-Diplomat Richard Holbrooke. Es komme entscheidend darauf an, dass die USA der Welt klar machten, warum gehandelt werden müsse, so Holbrooke in der "Washington Post". Das habe die US-Regierung bisher aber nicht getan. Im Gegenteil sei die Lage durch die ungleichen Messlatten bei der Behandlung Nordkoreas und des Iraks noch verschlechtert worden.

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