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23.01.2003

08:14 Uhr

Deutsche Bahn

Analyse: Mehdorn unter Druck

VonEberhard Krummheuer

Mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen ist ein bewährter Sonntagsredner-Wunsch quer durch alle Parteien. Wer aber als Pendler in den Ballungsgebieten oder als viel reisender ICE-Kunde seit Jahresbeginn die persönlichen Verspätungsminuten zu Stunden addieren musste, hat da längst seine Zweifel - noch mehr Verkehr auf die Schiene?

Auch die Bahn selbst macht kein Hehl daraus: Mag sie auch noch viel Platz für Züge auf den langen Rennstrecken haben, zumindest in den Knotenpunkten, wo sich Fern- und Nah- und auch noch Güterzüge die Gleise teilen müssen, sind die Kapazitäten vielfach ausgereizt.

Auch wenn die Fachleute versichern, der zum 15. Dezember eingeführte, weitgehend neu strukturierte Fahrplan werde sich noch einspielen, muss die Forderung nach mehr Schienenverkehr konsequent andere Forderungen nach sich ziehen. Insbesondere die, den Ausbau des Schienennetzes auch in Zeiten leerer Kassen nicht zu vernachlässigen.

Es geht nicht um teure Hochgeschwindigkeitsstrecken: Das in seinen Grundstrukturen weit über 100 Jahre alte Netz hat viele Flaschenhälse. Viele von ihnen könnten durch den Bau zusätzlicher Gleise nur auf ein paar Kilometern beseitigt werden. Nur: Dafür muss, wie es so schön heißt, Geld in die Hand genommen werden, und dafür muss überhaupt Geld da sein.

Ein gutes, weil schlechtes Beispiel ist die ICE-Strecke Köln - Frankfurt. Der Verkehr auf der neuen Schnellbahn läuft reibungslos, doch auf den letzten Kilometern zu den Hauptbahnhöfen werden die ICEs oft zu Bummelzügen, die nicht selten im Stau stehen. Nur großzügige Puffer im Fahrplan verhindern hier ein tägliches Chaos. Doch sie verschlingen auch die Möglichkeiten der milliardenteuren Neubaustrecke: Köln - Frankfurt in nur 60 statt 75 Minuten, also ein weiterer Fahrzeitgewinn von stattlichen 25 Prozent, wäre überhaupt kein Problem.

Kapazitätsengpässe kann sich die Bahn eigentlich nicht leisten. Sie braucht hohes Verkehrsaufkommen und Marktvolumen, um Geld zu verdienen - für weitere Investitionen und um Schulden zu bezahlen.

Vor diesem Hintergrund trifft den Konzern die derzeitige Blockade der Eisenbahner-Gewerkschaften ins Mark. Die miteinander konkurrierenden Arbeitnehmervertreter-Organisationen verweigern eine Tarifänderung, , mit der die Arbeitskosten im Regionalverkehr allmählich auf das Niveau der Wettbewerber gesenkt werden sollen. Die Gewerkschaften müssen aufpassen, dass ihr Zug nicht abfährt: Überall, wo die Bahn nicht mehr antritt, weil es andere billiger können, braucht sie keine Mitarbeiter mehr.

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