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03.03.2003

08:24 Uhr

Deutsche Bahn

Kommentar: Lokführer heizen ein

VonEberhard Krummheuer

Darauf haben die Bahnkunden gerade noch gewartet. Nach Pleiten und Pannen mit neuen Fahrzeugen bis hinauf zum ICE 3, nach einem verheerenden Start des seit Ende des vergangenen Jahres geltenden Fahrplans mit Zugausfällen und katastrophalen Verspätungen gibt es nun neues Ungemach. Bei der Bahn wird gestreikt.

Egal, ob nun die Karnevalshochburgen ausgespart werden oder nicht - der Narr beziehungsweise der Dumme ist wieder der Fahrgast.

Es ist das Dilemma eines jeden Arbeitskampfes im öffentlichen Dienst: Wenn der starke Arm der Gewerkschaft es will, dass Züge nicht mehr fahren, Straßenbahnen ausfallen oder sich Müllberge auftürmen, ist in erster Linie nicht der Arbeitgeber getroffen, sondern der Kunde der öffentlichen Dienste.

Das ist ärgerlich. Im Fall des Bahn-Streiks noch ärgerlicher ist, dass auf dem Rücken des Kunden offenbar ein Konkurrenzkampf unter den drei Eisenbahnergewerkschaften ausgetragen wird. Die Rolle des (Ein-)Heizers hat die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) übernommen. Sie sagt derzeit überall Nein, wenn der Arbeitgeber Bahn versucht, seine unbestreitbar vorhandenen Wettbewerbsnachteile auf der Personalkostenseite zu korrigieren. Beim Bahn-Personal ist das populär, und so erlebt die GDL einen Zulauf wie lange nicht.

Doch diese Sicht der Dinge ist eher kurzsichtig. Der Wettbewerb auf Schienen nimmt zu, nicht nur im regionalen Personennahverkehr, sondern auch im Güterverkehr. Wenn die Deutsche Bahn da mithalten will, muss sie ihre Kostenstrukturen auf ein konkurrenzfähiges Niveau herunterdrücken. Das gilt auch nach dem nun fast zehnjährigen Sanierungsprozess der Bahnreform. Und größter Kostenblock sind nun einmal die Personalkosten.

Das wissen auch die Arbeitnehmervertreter. Doch der Mitgliederzulauf bei der GDL hat offenbar auch bei der größten Bahnergewerkschaft Transnet das lange Jahre bewiesene Augenmaß getrübt. So blockiert sie seit Monaten eine fertig ausgehandelte Tarifanpassung für die Mitarbeiter der DB Regio. Sie nimmt dem Schienennahverkehr die Möglichkeit, sich erfolgreich bei Ausschreibungen zu bewerben. Auch bei DB Cargo denkt man über Ausgliederungen nach, um aus dem Moloch schlagkräftige, wettbewerbsfähige Einheiten herauszulösen - natürlich auch hier mit Einschnitten bei den überhöhten Personalkosten.

Ohne sie wird die DB kaum in den Märkten erfolgreich sein. Wer da an Besitzständen festhält, gefährdet Arbeitsplätze. Streiks sind ohnehin kaum dazu angetan, das ramponierte Ansehen des Staatskonzerns zu verbessern. Mehr Verkehr auf die Schiene holen sie bestimmt nicht.

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