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09.06.2000

12:31 Uhr

Deutsche-Bank-Aktionäre nehmen alle Vorschläge an - Expansion im Ausland hat Vorrang

Deutsche Bank will beim Investmentbanking auch im Alleingang wachsen

Die Deutsche Bank hat nach den Worten von Vorstandssprecher Rolf Breuer eine Chance verspielt, im Konsolidierungsprozess in Europa eine führende Rolle zu spielen.

Reuters FRANKFURT. Die Deutsche Bank will nach dem Scheitern der Fusion mit der Dresdner Bank verstärkt auf internes Wachstum und Partnerschaften setzen. Vorstandssprecher Rolf Breuer sagte am Freitag auf der Hauptversammlung in Frankfurt, die Bank wolle vor allem ihre Position im Investment Banking stärken. Dabei müsse es nicht notwendigerweise immer um Fusionen oder Akquisitionen gehen. Auch Partnerschaften und Kooperationen hätten ihre Berechtigung.

Durch den Abbruch der Fusionsgespräche mit der Dresdner Bank sei zwar eine Chance verspielt worden, im Konsolidierungsprozess der europäischen Banken eine führende Rolle zu spielen, so Breuer weiter. Doch bleibe die Deutsche Bank für Gespräche mit Partnern für das Filialgeschäft offen. Aktionärsvertreter bezeichneten die im April abgebrochene Fusion als Fiasko und warnten vor einem zu großen Einfluss der Investmentbanker im Vorstand.

Breuer sagte vor den knapp 5000 Aktionären, die Bank wolle vor allem im Ausland wachsen: "Hierauf basiert unsere Strategie. Vor diesem Hintergrund haben wir unter anderem Bankers Trust erworben." Die globalen Geschäftsfelder wolle man nun aber vorrangig durch internes Wachstum ausbauen.

Der Geschäftsbereich Investmentbanking sei in die Liga der weltweit führenden Investmentbanken aufgestiegen, sagte Breuer. Im ersten Quartal 2000 habe der Bereich Globale Unternehmen und Institutionen bereits rund 59 % des Vorsteuerergebnisses von 1999 erreicht. Der Ergebnisbeitrag des Investmentbankings innerhalb des Konzerns habe 1999 mit 2,2 Mrd. Euro 54 % des Konzernergebnisses ausgemacht.



Vorstand und Aufsichtsrat entlastet

Die Aktionäre der Deutschen Bank haben bei der Hauptversammung des Instituts am Freitag sämtliche Anträge des Vorstandes mit überwältigender Mehrheit angenommen. Alle Abstimmunsergebnisse wurden mit über 99 % des anwesenden Kapitals (31,92 %) angenommen. Dabei wurden Vorstand und Aufsichtsrat entlastet. Angenommen wurde der Vorschlag des Vorstandes, den Bilanzgewinn von 706 493.898,- Euro zur Ausschüttung einer Dividende von 1,15 Euro je Stückaktie zu verwenden.

Die Anwesenden ermächtigten den Vorstand ebenso, zum Zweck des Wertpapierhandels eigene Aktien zu kaufen und zu verkaufen. Dabei darf der Bestand der zu diesem Zweck erworbenen Aktien am Ende eines Tages fünf Prozent des Grundkapitals der AG nicht übersteigen.



Zwei neue Vorstände

Am Donnerstagabend hatte der Aufsichtsrat erwartungsgemäß die Investment-Banker Edson Mitchell und Michael Philipps in den Vorstand berufen, die 1995 von Merrill Lynch zur Deutschen Bank gekommen waren. Mitchell ersetzt im Vorstand Ronaldo Schmitz, der bislang zusammen mit Josef Ackermann für das Investmentbanking zuständig war. Philipp folgt Michael Dobson im Bereich Asset Management (Vermögensverwaltung) nach. Die beiden neuen Vorstände sollen nach Angaben aus Bankenkreisen Ackermann nahestehen, der als einer der Gegner der Fusion von Deutscher und Dresdner Bank gegolten habe. Medienberichten zufolge war die Fusion mit der Dresdner maßgeblich am Widerstand Ackermanns und des neuen Vorstandsmitgliedes Mitchell gescheitert.

Aktionärsvertreter warnten Breuer vor diesem Hintergrund davor, Investmentbankern aus dem angelsächsischen Raum zu viel Macht im Vorstand des größten deutschen Geldhauses einzuräumen. Nach dem Scheitern der Fusion mit der Dresdner sei der Eindruck entstanden, dass die Kontrolle im Vorstand aus den Händen der klassischen Geschäftsbanker gleite.



Aktionärsvertreter: Geplatzte Fusion ein "Desaster"

Kritik gab es auch am Scheitern der Fusion mit der Dresdner Bank. Aktionärsvertreter sprachen von einem "Desaster unter Gleichen". Der Grundfehler sei möglicherweise gewesen, dass von einer Fusion unter Gleichen ausgegangen worden sei. Dabei hätte klar sein müssen, dass die beiden Banken nie gleich gewesen seien. Da eine Übernahme der Dresdner Bank auf Widerstand gestoßen wäre, habe man versucht, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen.

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