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29.06.2000

17:58 Uhr

Deutsche Bank betreibt offenbar keine Kurspflege mehr

Telekom-Aktie stürzt ab

Der plötzliche Kursabsturz der T-Aktie irritiert die Anleger. Tagelang hielt sich der Kurs bei 63,50 Euro, am Donnerstag fiel er unter 60 Euro, am Freitag erholte er sich wieder leicht. Gerüchte um Fusionen und schrumpfende Gewinne belasteten den Titel.

fs/gil/nks DÜSSELDORF. Der Kurs der Deutschen Telekom ist massiv unter Druck geraten. Die Aktie fiel im Xetra-Handel am Donnerstag bis Handelsschluss auf 58 Euro, was einem Verlust von fast 8 % entsprach. Am Freitagvormittag hat sich die T-Aktie etwas von ihren hohen Verlusten erholen können. Kurz vor 10 Uhr notierte sie 1,3 Prozent höher auf 59,45 Euro. Mit 385.744 gehandelten Aktien war der Titel umsatzstärkster Wert im Dax. Händler begründeten den Aufwärtstrend mit einer technischen Erholung.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) litt unter der Telekom-Schwäche und lag mehr als 2,5 % im Minus. Als Hintergrund für den Telekom-Kursverfall nannten Händler neben der allgemeinen Marktschwäche das Ende von Stützungskäufen vor allem der Deutschen Bank. Auch Spekulationen um ein 99-Mrd.-Euro-Angebot für den US-Konzern Sprint drückten den Kurs des Dax-Schwergewichtes. Ein so hoher Preis belaste das Unternehmen stark, hieß es.

Die Deutsche Bank hatte nach Ansicht von Marktbeobachtern in den vergangenen Tagen den Kurs der Telekom mit Zukäufen über der Marke von 63,50 Euro gehalten. "Die meisten Kaufblöcke über 200 000 oder 500 000 Aktien je Kurs in den vergangenen vier Tagen hatte die Deutsche Bank eingestellt", sagte ein Händler. Gerüchten zufolge habe es sich um rund 15 Mill. T-Aktien gehandelt.

Über die Motive der "Hilfsaktion" der Deutschen Bank gibt es mehrere Spekulationen: So habe sich das Institut für das Konsortium des Börsengangs von T-Mobil im Herbst empfehlen wollen. 63,50 Euro ist auch der Preis, zu dem früh zeichnende Privatanleger die Papiere der Telekom bekommen haben. Dass der Kurs gerade hier gestützt wurde, nährt den Verdacht, man habe private Investoren nicht mit einem Sturz unter den Zuteilungspreis verärgern wollen. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte zu dem Thema keinen Kommentar abgeben.

Auch für UMTS-Lizenzen wird Liquidität benötigt

Die Deutsche Telekom steht auch von anderer Seite unter Druck. Sie benötigt Geld für den Wettbewerb um die UMTS-Lizenzen. Hier werden Preise von bis zu 10 Mrd. DM für die Lizenz plus noch einmal 5 bis 10 Mrd. DM für den Netzaufbau allein in Deutschland fällig. Zudem macht ihr der Margenverfall im Inland zu schaffen. Die Erlöse für Inlands- und Auslandsverbindungen stellen nur noch 12 % des Gesamtumsatzes dar. Der Konzernüberschuss lag 1999 mit 1,3 Mrd. Euro knapp eine Milliarde unter dem Vorjahresniveau, konnte inzwischen aber wieder leicht verbessert werden. Im ersten Quartal des laufenden Jahres wurden die anhaltenden Umsatzverluste gestoppt.

Erstmals haben nach Unternehmensangaben die Wachstumssparten Mobilfunk und Internet die Verluste im klassischen Telefonfestnetz-Geschäft mehr als ausgeglichen. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 4,3 %. Der Konzernüberschuss lag mit 509 Mill. Euro im ersten Quartal etwa auf Vorjahreshöhe. Die Telekom muss aber nach einigen gescheiterten Anläufen in nächster Zeit ein überzeugendes Konzept für ihre Internationalisierung zu Stande bringen.

Dazu gehört die Ausdehnung in die USA. Für sie gibt es derzeit noch keine Möglichkeit, bei der US-Telefongesellschaft Sprint einzusteigen. Obwohl die Fusion zwischen Worldcom und Sprint als gescheitert gilt, haben beide Konzerne ihre Fusionspläne offiziell noch nicht abgesagt. Einem Bericht des Wall Street Journal zufolge suchen Spitzenmanager von Sprint nach Wegen, die Fusion zu retten. Bei Worldcom bestehe kaum Interesse, durch ein Gerichtsverfahren die Zustimmung der Aufsichtsbehörden noch zu erlangen.

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