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26.01.2001

20:47 Uhr

Deutsche Bank wird Pläne für Neustrukturierung bekanntgeben

Davos: Breuer sieht grenzüberschreitende Bankfusionen

Einige deutsche Privatbanken werden nach den Worten von Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer in diesem Jahr an grenzüberschreitenden Fusionen beteiligt sein, nachdem alle Versuche eines Zusammengehens innerhalb der Landesgrenzen im vergangenen Jahr gescheitert sind.

Reuters DAVOS. "In Deutschland wird in diesem Jahr nicht viel passieren. Ich bin vielmehr überzeugt, dass wir grenzüberschreitende Bewegungen sehen werden", sagte Breuer am Freitag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Nach den spektakulären Fehlschlägen zuerst der Fusion von Deutscher Bank und Dresdner Bank, dann von Dresdner und Commerzbank schloss Breuer eine Konsolidierung der Institute im Inland aus.

Möglich sei auch, dass die Allianz einen Anteil der Deutsche Bank 24, dem Filialgeschäft der Deutschen Bank, kaufe. Eine Fusion von Bank und Versicherung sei jedoch "in ewig ferner Zukunft".

In der kommenden Woche wird die Deutsche Bank die Pläne für ihre Neustrukturierung bekannt geben. Das Institut will ab Februar seine Geschäftsfelder von bisher fünf auf zwei verringern. In der einen Sparte werden "Unternehmen & Institutionelle Kunden" zusammengefasst, in der anderen "Vermögensverwaltung (Asset Management) & Privatkunden". Letztere soll Kreisen zufolge der im kommenden Jahr aus dem Amt scheidende Vorstandssprecher Breuer gemeinsam mit den Vorständen Michael Philipp und Hermann-Josef Lamberti übernehmen. Breuer lehnte in Davos eine Stellungnahme dazu ab.

Mit Blick auf die Geschäftsentwicklung der größten deutschen Bank sagte Breuer, die Ergebnisse im vierten Quartal und im Januar seien trotz der schlechten Aktienmarktentwicklung erfreulich. "Wir sind glücklich, denn wir haben weniger gelitten als wir befürchtet hatten und weniger als viele unserer Wettbewerber", sagte Breuer.

Grenzüberschreitende Fusionen deutscher Banken seien notwendig, weil vielen deutschen Instituten derzeit die Größe, Erfahrung und Finanzierungskraft für das grenzüberschreitende Geschäft in Europa fehlten. Auf die Frage, ob Dresdner Bank und Commerzbank in solche Fusionen hineingeraten könnten, sagte Breuer: "Ich will nicht über einzelne Banken sprechen, aber jeder ist auf der Suche". Sowohl die Dresdner als auch die Commerzbank werden nach den gescheiterten Fusionsplänen als potenzielle Übernahmekandidaten gehandelt. Die Dresdner Bank gehört zu knapp 22 % der Allianz. Einige Analysten haben spekuliert, die Gespräche der Allianz mit der Deutschen Bank über eine Vertriebskooperation könnten die Versicherung zu einem Verkauf ihres Dresdner-Anteils veranlassen.

Allianz und Deutsche Bank verhandeln über eine Vertriebskooperation, bei der die Bank die Versicherungsprodukte in ihren Filialen vertreiben würde und im Gegenzug das dichte Vertriebsnetz der Versicherungsvertreter nutzen könnte. Befragt nach einem Termin für den Abschluss dieser Gespräche sagte Breuer: "Wir sind nicht unter Druck. Wir wollen unsere Hausaufgaben machen, aber man kann nicht endlos reden".

Die Beteiligung der Allianz an der Deutsche Bank 24 wäre eine Möglichkeit, eine Partnerschaft in die Tat umzusetzen. Auf die Frage, ob der Zusammenschluss von Citibank und Travellers ein mögliches Modell für die Deutsche Bank und die Allianz sei, sagte der Vorstandssprecher: "Ich bewundere die Citigroup, nicht zuletzt für ihre Marktkapitalisierung, die fünf Mal so hoch ist wie die der Deutschen Bank. Insofern ist das ein gutes Beispiel, ein Geschäftsmodell, das wirklich schlagend ist". Zu der Möglichkeit einer Fusion mit der Allianz fügte er hinzu: "Ich würde nichts ausschließen, aber nun reden wir über Dinge, die in ewig ferner Zukunft sind".

Die Deutsche Bank habe den Kauf eines Vermögensverwalters in den USA ins Auge gefasst, um ihre Vertriebskanäle dort auszubauen, sagte Breuer in seinem Redebeitrag in Davos. Nach dem "gewaltigen Wachstum" der vergangenen Jahre im Investment-Banking, sehe die Bank nun Wachstumspotenzial im Privatkundengeschäft und in der Vermögensverwaltung. "Das sind die Sparten, die wir vor allem in den Vereinigten Staaten ausbauen wollen", sagte Breuer.

Das Institut werde außerdem das Geschäft mit Firmenkäufen und-übernahmen (M&A) erweitern - diese Sparte ist bisher noch ein Schwachpunkt im Investment-Banking des Geldhauses. Dabei werde man aber eher auf die Rekrutierung von Spezialisten setzen als auf Akquisitionen. Dank der Übernahme der Investmentbank Bankers Trust ist die Deutsche Bank in den vergangenen zwei Jahren in die Spitzengruppe der Branche aufgestiegen zu Häusern wie Merrill Lynch und Goldman Sachs. Doch in der Begleitung von Fusionen und Firmenkäufen wurde die Bank sogar in ihrem deutschen Heimatmarkt von ihren US-Rivalen abgehängt. "Die einzige Schwäche, die wir beheben müssen, ist das M&A-Geschäft. In allen anderen Bereichen sind wir schon weitgehend in der Spitzengruppe", sagte Breuer.

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