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20.01.2002

14:08 Uhr

Deutsche Beamte in Kabul

Vorauskommando in Afghanistan komplett

Das deutsche Vorauskommando für die internationale Schutztruppe in Afghanistan ist seit dem Wochenende komplett. Elf Tage nach dem Abflug der ersten Bundeswehr-Staffel aus Deutschland landete am Samstag der letzte Teil des Kommandos auf dem Flughafen Bagram bei Kabul, bestätigte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in Berlin.

dpa BERLIN/KABUL. Die 87 Soldaten waren am Freitag von Köln-Wahn aufgebrochen und zunächst nach Trabzon in der Türkei geflogen. Insgesamt sind nun 292 Soldaten des Vorauskommandos in Kabul, darunter 241 Deutsche, 36 Niederländer, 12 Dänen und 3 Österreicher.

Die Soldaten bereiten die Ankunft der Hauptkräfte Ende Januar/Anfang Februar vor und patrouillieren in der Stadt. Deutschland wird insgesamt zwischen 800 und 1000 Soldaten für die 4500 Mann starke internationale Schutztruppe (ISAF) stellen. Dazu zählen Fallschirmjäger, Infanteristen, Sanitäter sowie Sicherheits- und Versorgungskräfte.

Am Sonntag traf außerdem eine Delegation deutscher Regierungs- und Polizeibeamter in Afghanistan ein. Die acht Beamten sollen bei Ausbildung und Wiederaufbau der afghanischen Polizei helfen. Zur Delegation gehören nach Angaben der deutschen Botschaft in Kabul Mitarbeiter des Außen- und Innenministeriums sowie Beamte von Bundeskriminalamt und Bundesgrenzschutz.

Deutschland hat 4,5 Mill. Euro für Ausbildung und Ausrüstung der afghanischen Polizei zur Verfügung gestellt. Nach mehr als zwei Jahrzehnten Krieg und Bürgerkrieg kommt der Polizei eine Schlüsselrolle beim Wiederaufbau des Landes zu. Gegenwärtig patrouillieren afghanische Polizisten gemeinsam mit Soldaten der internationalen Schutztruppe in Kabul.

Der afghanische Ministerpräsident Hamid Karsai plädierte im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" dafür, dass Deutschland die Führung der internationalen Schutztruppe übernehmen sollte, falls die Briten diese Aufgabe abgeben.

Der Kommandeur der deutschen Truppen in Afghanistan, Brigadegeneral Carl Hubertus von Butler, sagte am Samstag im Deutschlandradio Berlin zu einer möglichen Ablösung der britischen Führung durch die Türkei: "Es zeichnet sich ab, dass es ein Hauptquartier geben wird, das dann möglicherweise multinational besetzt werden wird. Wenn entsprechend politisch in diese Richtung entschieden wird, werden wir da sicherlich einen Anteil daran haben, der nicht ungewichtig ist."

Eine Ausweitung des UN-Mandats über die Stadtgrenzen Kabuls hinaus steht nach Angaben des Brigadegenerals derzeit nicht auf der Tagesordnung. "Es kommt darauf an, ganz klar den Schwerpunkt in Kabul zu setzen." Die Hauptstadt sei die Keimzelle für die Zukunft Afghanistans. "Hier müssen wir zunächst einmal alles in den Griff kriegen. Alles andere muss man später sehen."

Die Bundeswehr nimmt diese Woche einen "Lufttransport-Stützpunkt" in der usbekischen Stadt Termes an der Grenze zu Afghanistan in Betrieb. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums bestätigte am Sonntag einen entsprechenden "Spiegel"-Bericht. Der Stützpunkt soll als Drehscheibe für den Nachschub Richtung Kabul dienen.

Von Butler äußerte sich in der "Berliner Morgenpost" (Samstag) zufrieden über den Afghanistan-Einsatz und die Motivation der Soldaten. "Ich habe zur Zeit keine größeren Sorgen." Die Stimmung in seiner Truppe sei sehr gut, ebenso die Zusammenarbeit innerhalb der Schutztruppe. Die deutschen Soldaten würden von der Bevölkerung in Kabul hervorragend angenommen.

Von Butler zeigte sich allerdings besorgt über die Gefährdung durch Minen. Außerdem müssten die Soldaten "mit direkter Agitation" gegen sie rechnen. "Wir haben hier eine hohe Kriminalitätsrate und haben natürlich auch chaotische Verkehrs- und Straßenverhältnisse." Er betonte aber auch: "Wir sind bestens versorgt und haben alles, was wir brauchen."

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