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25.03.2003

13:35 Uhr

Deutsche Börse

Kommentar: Schöne neue Indexwelt

VonChristian Schnell

Der Termin für einen Neubeginn hätte wahrlich nicht schlechter gewählt sein können: Schließlich belastete die Aussicht, dass der Krieg im Irak doch länger als erwartet dauern könnte, gestern viele Börsen weltweit.

Insofern verwunderte es nicht, dass es auch für die erstmals berechneten neuen Indizes der Deutschen Börse um TecDax und Co. erst mal tüchtig nach unten ging. Damit ist auch das in den letzten beiden Wochen neu erwachte Interesse an Aktien schon wieder dahin. Immerhin war der Deutsche Aktienindex Dax seither um knapp 25 Prozent gestiegen.

Trotzdem durfte sich die Deutsche Börse gestern von vielen Stellen über Lob freuen. Schließlich hat sie mit ihrer neuen Struktur gleich mehreres erreicht. Erstens hat sie eine klare Aufteilung zwischen klassischen und Technologiewerten geschaffen. Zweitens hat sie sich mit der Aufteilung in 18 Industriesektoren an die europäische Stoxx-Familie angelehnt und damit auf ein bewährtes Vorbild gesetzt. Und drittens ist es ihr - quasi als Nebeneffekt- in kürzester Zeit gelungen, dass kaum noch ein Anleger vom ungeliebten Neuen Markt spricht.

Der Erfolg der neuen Indexwelt wird sich indes erst dann einstellen, wenn der Irak-Krieg vorüber ist und auch von konjunktureller Seite wieder Phantasie für Aktien einzieht. Denn eines darf trotz vieler Änderungen nicht vergessen werden: Es werden nach wie vor die gleichen Aktien an der Deutschen Börse gehandelt wie vorher. Nur die Auswahlindizes, innerhalb derer die Einzelwerte unter besonderer Beobachtung der Anleger stehen, haben sich geändert. Trotzdem wird der Deutschen Börse von vielen Seiten zu Recht attestiert, dass sie nun im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt ist, sollte die Nachfrage nach Aktien langfristig wieder steigen. Bis dahin dürfte es allerdings nach den jüngsten Ereignissen noch einige Zeit dauern.

Geht es vor allem nach den Banken, sollte diese Zeit für eine Weiterentwicklung des gerade Erreichten genutzt werden. Beispielsweise legte WestLB Panmure in der vergangenen Woche bereits einen Vorschlagskatalog mit schärferen Kriterien für Indexunternehmen vor. Etliche davon erscheinen konsensfähig wie die Forderung nach testierten Halbjahresberichten oder die Möglichkeit des Indexausschlusses bei der Aufdeckung finanzieller Unregelmäßigkeiten. Andere hingegen, wie die Forderungen nach einer Unternehmensreife von mindestens drei Jahren oder nach einem positiven operativen Cash-Flow, dürften es schwerer haben. Eines ist indes schon jetzt klar: In den nächsten Monaten wird es etliche Gespräche über die Verbesserung des gerade Erreichten geben.

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