Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2002

19:04 Uhr

Deutsche hebt Kursziel an

Verkaufsgerüchte beflügeln Telekom Austria

VonMATTHÄUS KATTINGER

Als großer Hoffnungsträger für den österreichischen Kapitalmarkt an die Börse gebracht, wurde die Aktie von Telekom Austria in wenigen Wochen zum „Buhmann und Totengräber“ des Wiener Marktes. Doch seit Verkaufsgerüchte die Kursfantasie nähren, ist die Aktie zum Börsenliebling geworden.

WIEN.Mit einem Plus von 55 Prozent führt sie unangefochten die kurze Liste der Kursgewinner des Jahres 2001 an. Der Höhenflug hielt auch in der ersten Januar-Hälfte an: plus 4,1 Prozent auf 9,69 Euro. Zwar haben sich die Ergebnisse vor allem im Festnetz deutlich verbessert, doch getragen wird der Kurs von der Übernahme-Phantasie.

Denn Telecom Italia, die 29,8 Prozent an TA halten, werden ihren Anteil auf jeden Fall verkaufen. Das ist laut Syndikatsvertrag frühestens im Oktober möglich. Was der zweite Großaktionär, die Privatisierungsagentur ÖIAG, mit dem Anteil von 47,8 Prozent machen wird, ist noch nicht klar. Zwar hatte das "Wall Street Journal" Anfang Januar berichtet, dass zwei Gruppen privater Investmentfirmen - nämlich Apax Partners/Providence und BC Partners/Bain - bereits Vorbereitungen für eine mögliche Übernahme der Telekom Austria träfen, doch ÖIAG-Vorstandsdirektor Peter Michaelis dementierte. Man werde sich "im ersten Quartal entscheiden", ob überhaupt verkauft werden soll.

Vor allem bei Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ) dürfte in den letzten Tagen ein Umdenken eingesetzt haben. Gemäß Regierungsprogramm müsste die TA bis Ende 2003 komplett privatisiert sein. Doch Grasser erklärte, er fände es nicht gut für den Finanzplatz Wien, "wenn die Telekom Austria die Börse verlässt". Was sich bei der Abgabe des ÖIAG-Pakets nicht vermeiden ließe, schreibt doch das Übernahmegesetz ein Angebot an alle Aktionäre vor, sobald ein Investor 30 Prozent übernimmt.

Zudem könnte Grasser erkannt haben, dass die TA das Ärgste überstanden haben dürfte und man bei einem späteren Verkauf mit einem höheren Erlös rechnen könnte. Hatte Grasser Mitte 2001 noch den Turn-Around und einen Aktienkurs von "jenseits des Emissionskurses von 9 Euro" als Voraussetzung für den Verkauf weiterer TA-Anteile genannt, so hat er jetzt die Latte höher gelegt. "Zu 9 Euro", sagt er, "werden wir sicher nicht verkaufen".

Den Ausschlag dafür haben wohl die Neun-Monats-Ergebnisse gegeben. Sie lagen deutlich über den Prognosen des TA-Vorstandes und den Erwartungen der Analysten. Deshalb wurde auch die Schätzung für das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) für 2001 von 1,2 auf 1,4 Mrd. Euro angehoben. Die Analysten zogen mit ihren Bewertungen nach.

Die Bank Austria/CA (BA/CA) stufte das TA-Papier von "Buy" auf "Strong Buy" herauf und hob das Kursziel von 9 auf 12,10 Euro. Zwar glaubt die BA/CA nicht an einen "raschen Abschluss", verspricht sich aber "mehr Dynamik, sobald ein Interessent Preisvorstellungen nennt". Die Erste Bank hat ihre Anfang Dezember getroffene "Outperform-Einstufung" trotz der Kursanstiege jetzt bestätigt. Begründet wird dies mit der starken operativen Leistung und der im Branchenvergleich weiter günstigen Bewertung. Während die BA/CA für 2002 noch einen Verlust je Aktie von 0,03 Euro annimmt, geht die Erste Bank schon von einem ausgeglichenen Ergebnis je Aktie aus.

Die Deutsche Bank hat ihr Kursziel von 10,30 auf 11,50 Euro angehoben. Sie beurteilt das Festnetz-Geschäft deutlich besser, die Gewinn-Margen würden durch den Personalabbau vorangetrieben. Die Marktanteilsverluste in der Sprachtelefonie seien geringer als erwartet ausgefallen - Ende September hielt die TA im Festnetz noch immer 57,3 Prozent.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×