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30.01.2003

07:41 Uhr

Deutsche Hersteller wachsen trotz Konsumflaute – Spielwarenmesse beginnt in Nürnberg

Bei Spielwaren zählen starke Marken

VonJoachim Hofer

Ein bekannter Markenname zahlt sich in der Krise aus: Obwohl der Spielwaren-Markt stagniert, konnten Firmen wie Playmobil, Zapf und Ravensburger kräftig zulegen. Die Hersteller rechnen mit weiterem Wachstum.

NÜRNBERG. Der Spielwarenhandel klagt über leere Kassen, doch die großen deutschen Hersteller sind zufrieden. "2002 war für uns ein sehr gutes Jahr", freut sich der Chef des Spieleproduzenten Ravensburger AG, Karsten Schmidt. Umsatz und Gewinn des schwäbischen Traditionsunternehmens sind um rund 5 % geklettert. Noch besser lief es bei der Zapf Creation AG. Der börsennotierte Puppenhersteller steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr um 15 %, der Gewinn kletterte gar um 24 %. Das bayerische Unternehmen übertraf damit deutlich seine eigenen Prognosen.

"Eltern kaufen für ihre Kinder verstärkt qualitativ hochwertige und zeitlose Spielwaren", begründet der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) die vollen Auftragsbücher deutscher Produzenten, "Generationenfeste" Produkten sind in. Die guten Ergebnisse der einheimischen Hersteller sind dennoch nicht selbstverständlich: Insgesamt gingen die Einnahmen an den Theken des Spielwarenhandels im vergangenen Jahr um 3 % zurück. Das Weihnachtsgeschäft lag sogar 5 % unter Vorjahr.

Zudem klagen viele kleine Unternehmen über einen starken Preisdruck. Die Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner warnt, dass das Überleben vieler etablierter Spielwarenhersteller gefährdet sei, wenn sie ihre Strategien nicht änderten: "Bei vielen Unternehmen wird nur noch der Mangel verwaltet", heißt es in einer in dieser Woche veröffentlichten Studie der Münchener Berater.

Die großen Namen der Branche dagegen sind trotz der allgemeinen Wirtschaftsflaute ausgesprochen zuversichtlich. Playmobil rechnet auch für das laufende Jahr mit einem kräftigen Umsatz-Plus. Es sei aber fraglich, ob das fränkische Unternehmen wieder zweistellig wachsen werde wie im vergangenen Jahr, sagte eine Sprecherin. Der Auftragseingang des Herstellers von Plastik-Spielfiguren sei jedoch ermutigend. Die bunten Spielwelten aus Zirndorf waren im Weihnachtsgeschäft so gefragt, dass viele der Produkte zum Ärger der Kunden ausverkauft waren.

Optimistisch zeigt sich auch der Hersteller des Kinderautos Bobby-Car, die Big Spielwarenfabrik: Der Auftragsbestand sei auf Rekordhöhe geklettert, sagte Geschäftsführer Jürgen Schröpf, die Ertragslage des Unternehmens sei sehr positiv. Im vergangenen Jahr legte der Umsatz des Rutschfahrzeug- Produzenten um 5 % zu.

Gut in Fahrt ist auch der traditionsreiche Autorennbahn-Hersteller Carrera. "2003 wird das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte", jubelt Carrera- Geschäftsführer Andreas Stadlbauer bereits jetzt. Mit über 30 Mill. Euro konnten die Nürnberger ihren Umsatz im Jahr 2002 um mehr als 40 % steigern. Die Franken bleiben auf der Überholspur: Im laufenden Jahr sollen die Einnahmen auf 40 Mill. Euro klettern. "Viele Erwachsene haben Modelleisenbahn und Carrera-Bahnen neu entdeckt", heißt es beim BVS, "Wiedereinsteiger beleben das Geschäft."

Der Schlüssel zum Erfolg in der Spielwarenbranche liegt der Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner zufolge unter anderem in einer erfolgreichen Markenstrategie. Die Hersteller haben das erkannt, und setzen voll auf ihre seit vielen Jahren etablierten Marken. Innovationen sollen zudem für Wachstum sorgen.

"Wir haben einen hervorragenden Markennamen, wie kaum ein anderer Hersteller in Deutschland", sagt Ravensburger-Chef Schmidt. Deshalb werden unter dem Ravensburger-Logo ganz neue Märkte erschlossen: Demnächst gibt es erstmals auch Ravensburger - Spiele für Kinder unter drei Jahren. "In wirtschaftlich schwierigen Zeiten greifen die Leute zu Qualität", sagt Schmidt, "und dafür steht Ravensburger." Zudem soll das erste interaktive, elektronische Brettspiel neue Käufer bringen.

Nicht alle Firmen auf der am heutigen Donnerstag beginnenden Spielwarenmesse in Nürnberg sind allerdings so zuversichtlich wie die Branchenführer. Denn hohes Wachstum ist in dem Markt auch 2003 nicht zu erwarten. So rechnen die meisten Mitgliedsfirmen des Einzelhandelsverbands BVS zwar mit stabilen Umsätzen. Weil die Erträge stark unter Druck sind, würden aber viele Geschäfte schließen, warnt der Verband. Nur durch weitere Kostensenkungen könnten viele Händler überleben.

Immerhin: Europas größter Händler-Verbund, die Vedes eG mit Sitz in Nürnberg, ist im vergangenen Jahr in den schwarzen Zahlen geblieben. Wegen der Branchenflaute hatte Vedes im Sommer befürchtet, nur ein Jahr nach der erfolgreichen Sanierung schon wieder einen Verlust zu erwirtschaften.

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