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04.04.2006

08:54 Uhr

Deutsche Manager

Ohne Spurwechsel

VonJürgen Berke (Hans-Jürgen Klesse, Rüdiger Kiani-Kress, Annette Ruess und Cornelius Welp)
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Die Führungsetagen werden internationaler. Beispiele für Multikulti-Vorstände gibt es inzwischen viele. Aber nur wenige deutsche Manager schaffen es an die Spitze eines ausländischen Konzerns.

Auf einmal spielte die Herkunft von Hanspeter Spek eine entscheidende Rolle. Mitten in der Übernahmeschlacht zwischen den beiden Pharmakonzernen Sanofi-Synthélabo und Aventis vor rund zwei Jahren schickte Sanofi-Chef Jean-François Dehecq seinen Vorstandskollegen als Emissär nach Berlin und Frankfurt. Der gebürtige Ulmer musste aufgebrachte Politiker und Gewerkschafter beruhigen, die nach der Fusion einen Stellenverlust in Deutschland befürchteten. Die heikle Mission erledigte der 56-Jährige so gut, dass er mit einem Schlüsselposten im fusionierten Unternehmen Sanofi-Aventis belohnt wurde: Spek leitet seit August 2004 Vertrieb und Marketing des drittgrößten Pharmakonzerns der Welt mit 27,3 Milliarden Euro Umsatz und rund 100.000 Mitarbeitern.

Spek ist eine Ausnahmeerscheinung. "Internationale Konzerne haben Deutsche bei der Suche für Toppositionen kaum auf dem Radar", sagt Tiemo Kracht, Deutschland-Chef der Personalberatung Heidrick & Struggles. Dabei hat die Globalisierung längst die Chefetagen erfasst. Immer öfter versammeln sich dort Angehörige unterschiedlicher Nationalitäten, die die Verantwortung für Zielmärkte übernehmen und unterschiedliche Sichtweisen produktiv in das Unternehmen einbringen sollen.

Doch die Art, wie in Deutschland gemanagt und Karriere gemacht wird, weicht vielfach vom internationalen Standard ab. Die deutschen Führungskräfte gelten als zu konsensorientiert, zu hierarchiegläubig, zu wenig innovativ, zu wenig an dem ausgerichtet, was die Finanzmärkte von ihnen erwarten. Deshalb bleiben sie meist außen vor, wenn ein ausländischer Konzern einen internationalen Topjob zu besetzen hat.

Das bestätigt eine exklusive Untersuchung von Heidrick & Struggles im Auftrag der WirtschaftsWoche. Nur bei 22 der 182 größten ausländischen Unternehmen in Europa saßen danach Ende Februar Deutsche im Vorstand (insgesamt genau 33) – davon 13 in Schweizer, acht in französischen und fünf in britischen Unternehmen. Die Zahl reduziert sich noch deutlich, wenn jene Vorstände wegfallen, die ihren Job rein politischen Entscheidungen zu verdanken haben wie etwa bei EADS. In außereuropäischen Unternehmen in den USA und Asien sind deutsche Spitzenmanager noch seltener vertreten.

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