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16.02.2003

18:11 Uhr

Deutsche Nummernschilder nicht zurückverfolgbar

London führt Staugebühr ein

In London beginnt an diesem Montag eines der gewagtesten verkehrspolitischen Experimente: Im Zentrum der britischen Hauptstadt wird eine Staugebühr eingeführt. Sie soll die Sieben-Millionen-Metropole vor dem Verkehrskollaps bewahren.

dpa/rtr LONDON. Von nun an müssen Autofahrer pro Tag fünf Pfund - knapp acht Euro - zahlen, wenn sie im Zentrum von London unterwegs sind.

Die Gebühr gilt für ein 20 Quadratkilometer großes Gebiet zwischen Tower Bridge und Hyde Park. Jedes Auto in dieser Zone wird werktags in der Zeit von 7 bis 18.30 Uhr registriert. 688 Kameras an 203 Stellen registrieren die Nummernschilder, und spätestens bis 22 Uhr muss die fällige Gebühr bezahlt werden - an Kiosken, Tankstellen, im Internet oder sogar per Kurznachricht vom Handy aus. Vom nächsten Tag an wird für säumige Zahler eine Strafgebühr von 80 Pfund (130 Euro) fällig. Ausgenommen sind Taxis, Polizei- und Rettungswagen sowie schadstoffarme Autos. Deutsche Nummernschilder lassen sich nicht zurückverfolgen.

Durch die Staugebühr soll das Verkehrsaufkommen in der Londoner Innenstadt um 10 bis 15 Prozent abnehmen. Auch die Luftverschmutzung soll sich verringern. Gebühren und Strafgelder sollen jährlich 270 Mill. ? in die Stadtkasse spülen und zum Ausbau des Straßennetzes verwandt werden. London hat nach Athen die schlechteste Luft aller EU-Hauptstädte.

Zu den Befürwortern der neuen Regelung gehören neben Umweltschützern auch die Taxi-Fahrer, die die Gebühr nicht entrichten müssen und sich nun Hoffnungen auf weniger verstopfte Straßen machen. Selbst der Automobilclub AA ist nicht grundsätzlich gegen die Regelung, hält sie jedoch für nicht durchdacht genug. Er befürchtet, dass sich jetzt verstärkt Staus um die neue Gebührenzone herum bilden. Außerdem sei das marode Nahverkehrssystem Londons gar nicht in der Lage, mit wesentlich mehr Passagieren klar zu kommen.

Andere Verkehrsteilnehmer zeigen sich weniger einsichtig. In Internet-Foren wird seit Wochen darüber diskutiert, wie die Überwachungskameras am besten auszuschalten sind: Die Vorschläge reichen von Angriffen mit Laserstrahlen bis hin zum robusteren Einsatz von Vorschlaghämmern.

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