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12.02.2002

15:22 Uhr

Deutsche Post hat bei Briefen einen Marktanteil von 98 Prozent

Kratzen am Post-Monopol

Die am Dienstag eingereichte Klage gegen das Briefporto der Deutschen Post könnte den ehemaligen Staatskonzern in seinen Grundfesten erschüttern.

afp BERLIN. Denn letztlich wird es bei Gericht auch um das Briefmonopol gehen, das dem gelben Riesen nahezu ungehindertes Agieren in diesem lukrativen Bereich sichert. Entsprechend liegt der Marktanteil der Deutschen Post AG bei der Beförderung von Standardbriefen in Deutschland derzeit bei rund 98 %. Die restlichen zwei Prozent teilen sich nach Angaben der Regulierungsbehörde rund 700 private Anbieter, die aber nur unter ganz bestimmten Bedingungen aktiv werden dürfen.

Grundsätzlich hat die Deutsche Post ein Monopol für Briefe und Postkarten mit einem Gewicht von bis zu 200 Gramm sowie Infopost bis 50 Gramm. Diese so genannte Exklusivlizenz wurde erst im vergangenen Jahr bis Ende 2007 verlängert. Damit sind für den Monopolisten für die nächsten Jahre Milliarden-Einnahmen gesichert.

Nach den letzten verfügbaren Zahlen machte der Konzern in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres im Briefgeschäft einen Umsatz von 8,6 Mrd. ? und fuhr dabei einen GEWINN von fast 1,6 Mrd. ? (3,1 Mrd. DM) ein. Damit ist die Briefbeförderung mit riesigem Abstand das lukrativste Geschäft beim gelben Riesen, dessen Gesamtgewinn in den ersten neun Monaten 2001 bei 1,9 Mrd. ? lag.

Im Gegenzug muss die Deutsche Post einen Universaldienst anbieten. Das heißt, sie muss flächendeckend präsent sein. Es gibt genaue Vorschriften beispielsweise über das Fialialnetz. So muss in Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern grundsätzlich mindestens eine Filiale vorhanden sein. Bei Gemeinden mit mehr als 4000 Einwohnern dürfen es nicht mehr als 2000 Meter bis zur nächsten Post sein. Zudem müssen 80 % der beförderten Briefe am nächsten Tag beim Empfänger sein.

Trotz der Exklusivlizenz gibt es vor allem in Großstädten private Konkurrenten, die ebenfalls den Transport von Standard- und Geschäftsbriefen im geschützten Bereich übernehmen. Sie müssen nicht bundesweit agieren, können es meist auch gar nicht. Denn um die entsprechende Lizenz von der Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) zu erhalten, müssen die Post-Konkurrenten qualitativ höherwertige Dienste anbieten - vor allem eine schnellere Zustellung: Nötig ist entweder die Auslieferung noch am selben Tag; bei Abholung nach 17.00 Uhr muss ein Brief spätestens bis zwölf Uhr am folgenden Tag beim Adressaten oder aber zu einem genau festgelegten Termin ankommen.

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