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31.05.2000

13:10 Uhr

Deutsche Regulierungsbehörde

Elf Bewerber für UMTS-Versteigerung zugelassen

Der Regulierer lässt elf Bewerber für UMTS-Auktion zu. Noch gibt es allerdings Unklarheiten um eine Doppelbewerbung.

vwd BONN. An der milliardenschweren Versteigerung der deutschen UMTS-Lizenzen für multimedialen Mobilfunk können in zwei Monaten elf Unternehmen und Konsortien aus dem In- und Ausland teilnehmen. Einen Bewerber, die praktisch unbekannte Nets AG aus München, schloss die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post aus. Die Gesellschaft habe die Zulassungsvoraussetzungen nicht erfüllt, sagte Behördenpräsident Klaus-Dieter Scheurle am Mittwoch in Bonn. Auch die französische Vivendi könne weiterhin mitbieten, da der von ihr verkündete Rückzug bislang nicht offiziell sei. Die Auktion beginnt am 31. Juli in Mainz.

Teilnehmen wollen zum einen die etablierten Mobilfunkbetreiber Deutsche Telekom, Mannesmann, E-Plus und Viag Interkom. Hinter den drei letzteren stehen mit Vodafone AirTouch, KPN und British Telecom ausländische Gesellschafter. Dies gilt auch für die zugelassenen Service Provider Debitel (Swisscom), Mobilcom (France Telecom) und Talkline (Tele Danmark). Zu den Bewerbern gehören ferner eine deutsche Tochter des US-Konzerns MCI Worldcom sowie ein Konsortium namens Group 3 G - die Abkürzung steht für den Mobilfunk der dritten Generation - aus spanischer Telefonica, finnischer Sonera und britischer Orange.

Eigentümerwechsel bei Orange sorgt für Verwirrung

Der soeben vereinbarte Eigentümerwechsel bei Orange von Vodafone zu France Telecom bringt für die Auktion erheblichen Klärungsbedarf mit sich. Denn nach dem Stand der Dinge würde der französische Konzern über Mobilcom und Orange als Teil des 3 G-Konsortiums indirekt für zwei Lizenzen bieten. Solche Mehrfachbewerbungen sind aber nicht zulässig. Der Regulierer will den Fall prüfen, wozu noch am Mittwoch Vertreter von Vodafone, Orange und France Telecom in Bonn erwartet wurden. Scheurle sagte, es spreche viel dafür, dass die momentane Konstellation für eine Teilnahme an der Auktion nicht gangbar sei.

France Telecom ist einerseits mit 25 % an der Mobilcom AG beteiligt, andererseits werden die Franzosen zu hundert Prozent den drittgrößten britischen Mobilfunkbetreiber Orange erwerben, der Vodafone aus dem Portfolio der übernommenen Mannesmann AG zufiel und den der transatlantische Konzern aus Wettbewerbsgründen wieder abstoßen musste. Die Orange, die bereits über eine UMTS-Lizenz in Großbritannien verfügt, ist wiederum zu 30 % an der Group 3 G beteiligt.

Kompliziert wird die Sache zusätzlich, weil sich Vodafone im Zuge des Orange-Vaufs mit zehn Prozent an der France Telecom beteiligt und ihr somit bei der(Doppel)-Bewerbung über die Schulter schaut, gleichzeitig aber selbst über Mannesmann Mobilfunk eine Lizenz anstrebt. Welche Maßnahmen zu ergreifen seien, um den Knoten zu entwirren, könne man aus Sicht des Regulierers überhaupt noch nicht sagen, betonte Scheurle. Zumal unklar sei, was die betroffenen Unternehmen selbst vorhätten. Hier komme es sehr auf die Details an. Auf jeden Fall sei die Unabhängigkeit der Bewerber bei der Auktion und später am Markt ein wichtiges Kriterium.

Er fügte hinzu, dass bei den Interessenten untereinander theoretisch durchaus auch noch Umgruppierungen möglich seien. Zur Ablehnung des Antrages der Nets AG sagte der Behördenleiter, die Müncher Gesellschaft, hinter der offiziell zwei persönliche Gesellschafter und eine GmbH stehen, habe die "nicht sehr hohe Hürde" zur Zulassung verfehlt.

Dem Vernehmen nach war das Finanzierungskonzept der Nets AG für einen Lizenzerwerb unklar. Eine Bankbürgschaft sei nicht ersichtlich gewesen, und der Kreditrahmen habe lediglich einen fünfstelligen Bereich ausgemacht. Über etwaige Hintermänner habe die Gesellschaft keine Auskunft erteilt. Wie zu erfahren war, hat man bei der Regulierungsbehörde allerdings nicht den Eindruck gewonnen, dass die AG noch unbekannte größere Geldgeber im Rücken hat. Die Nets AG kann gegen den Ausschluss Rechtsmittel einlegen. Der Start der Auktion wäre aus Sicht des Regulierers nicht in Gefahr, wenn die Sache in einem Eilverfahren behandelt würde.

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