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17.02.2002

12:54 Uhr

Deutsche sollen sich nicht "überheben»"

Klose rechnet nicht mit US-Militärschlag gegen Irak

Ein US-Militärschlag gegen den Irak ist nach Einschätzung des Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Hans-Ulrich Klose, unwahrscheinlich. Der SPD-Politiker erklärte am Sonntag im "Deutschlandfunk", er rechne nicht mit einem derartigen Vorgehen und halte es auch nicht für wünschenswert.

wiwo ap BERLIN. Den Europäern müsse aber klar sein, dass die Amerikaner einen interessenorientierten Politikansatz hätten und momentan in dem Gefühl lebten, als einzig verbliebene Supermacht einen wirklichen Krieg zu führen.

Klose betonte, dass bei einer Beseitigung des irakischen Staatschefs Saddam Hussein nicht klar sei, was in Irak geschehen werde. Niemand könne ein Interesse daran haben, dass dort ein "schwarzes Loch" entstehe, "denn zur Stabilisierung der Region würde das auf gar keinen Fall beitragen". Die politische Philosophie der USA sei sehr pragmatisch und interessen-, anstatt konzeptorientiert, was zu Missverständnissen und zum Teil berechtigter Sorge auf europäischer Seite führe, erklärte Klose. "Amerika sieht sich angegriffen und reagiert anders als wir."

Der nicht zufällig gewählte Begriff der "uneingeschränkten Solidarität" habe die Botschaft vermitteln sollen, dass die Amerikaner in ihrer Bedrohung Partner hätten. Diese hätten aber trotz Konsultation von Uno und Nato "entschieden, dass sie diesen Konflikt führen und nicht die Nato oder gar die Uno". Dies hänge offenbar mit den Erfahrungen des Kosovo-Krieges zusammen, sagte der SPD-Politiker. "Wer Amerika kennt, der weiß: In einen wirklichen Krieg gehen sie nicht hinein, wenn sie nicht die Führung haben."

Auch wenn er aus erfahrenen Kreisen wisse, dass die deutsche Stimme in den USA durchaus Gewicht habe, "dürfen wir uns nicht überheben", betonte Klose. "Wir sind eine - bestenfalls - Mittelmacht, und Amerika ist eine dominante Macht." Wenn deutliche Worte wie die von Außenminister Joschka Fischer nicht intern, sondern öffentlich geäußert würden, sei dies "für die amerikanische Sicht der Dinge nicht besonders hilfreich". Fischer habe aber eine in Europa weit verbreitete Besorgnis ausgedrückt.

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