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04.07.2000

16:47 Uhr

Deutsche Telekom fast auf Jahrestiefststand

Stoxx-Gewichtung versetzt T-Aktie weiteren Dämpfer

Der Aktienkurs der Telekom hat wegen einer neuen Berechnungsmethode ihrer Gewichtung in den großen europäischen Aktienindizes einen neuen Dämpfer bekommen.

Reuters FRANKFURT. Der Aktienkurs der Deutschen Telekom hat wegen einer neuen Berechnungsmethode ihrer Gewichtung in den großen europäischen Aktienindizes am Dienstag einen neuen Dämpfer bekommen. Bis gegen 15.45 Uhr MESZ gab der Kurs des drittgrößten europäischen und größten deutschen Börsenwertes um 4,5 % auf 55,85 Euro nach. Auch die bereits in den vergangenen Tagen kursmindernden Spekulationen um politische Widerstände gegen eine Übernahme der US-Telekomgesellschaft Sprint trugen dazu bei, dass die Volksaktie mittlerweile wieder nahezu auf dem tiefsten Stand dieses Jahres von 54,20 Euro angekommen ist. Händler und Analysten halten sowohl eine Erholung als auch einen weiteren Abwärtstrend der T-Aktien für denkbar.

In den europäischen Blue-Chip-Indizes Stoxx 50 und Euro Stoxx 50 werden Deutsche Telekom wie France Telecom oder Münchner Rück von September an ein deutlich geringeres Gewicht haben. Die für die Gewichtung im Index maßgebliche Marktkapitalisierung soll sich künftig nach dem frei am Aktienmarkt verfügbaren Aktienkapital (Streubesitz) richten und nicht mehr nach der Zahl der ausgegebenen Aktien. Durch die neue Berechnungsmethode sinkt der Börsenwert jener Aktiengesellschaften, die nur einen vergleichsweise kleinen Srteubesitz-Anteil haben. Bei der Telekom hält der Staat noch 57 % der Anteile, bei der Münchner Rück sind nur rund 40 % der Aktien im sogenannten freien Handel. Der geringere Börsenwert führt dazu, dass Fondsmanager sich tendenziell von den Papieren trennen und die Fondsmittel auf andere, dann schwerer gewichtete Firmen verteilen.

In den vergangenen vier Handelstagen sind die Telekom-Papiere mehr als sieben Euro oder über zehn Prozent gefallen. Zunächst noch von tagelangen und kontinuierlichen Aufkäufen der Deutschen Bank als Konsortialbank der dritten Aktienemission gestützt, rutschte der Kurs am Donnerstag vergangener Woche nach Angaben von Händler erstmals deutlich unter die verteidigte Marke von 63,50 Euro. Zu diesem Preis hatten die meisten Privatanleger die neuen Aktien der Telekom erhalten. Nach den ausgesetzten Stützungskäufen, die die Bank Medienberichten zufolge fast 1,5 Milliarden Euro kosteten, erleiden nun Privatanleger und institutionelle Investoren Kursverluste, was die Telekom vermeiden wollte.

Händler und technische Analysten sehen die Aktien bei 55 Euro gut unterstützt. Von diesem Niveau aus hatten die T-Aktien Ende des vergangenen Jahres ihre Kursrallye bis auf 104,90 Euro gestartet. Auf diesem Kursniveau brachen die Aktien zudem Ende Mai ihren seit dem Frühjahr anhaltenden Abwärtstrend ab und leiteten eine kurze Trendwende ein. Die Marktmeinung wendete sich jedoch im Vorfeld der Ausgabe neuer Aktien aus Bundesbesitz im Rahmen des dritten Börsengangs am 19. Juni. "Seit der dritten Tranche stehen die Papiere unter Druck", bilanzierte ein Händler. "Wenn die Marke von 55 Euro hält, ist der Abwärtstrend gestoppt. Wenn nicht, ist die Aktie nach unten frei bis 45 oder gar bis 40 Euro."

Aus Sicht technischer Analysten ist die Aktie der Telekom bereits überverkauft, so dass grundsätzlich damit gerechnet werden könnte, dass die getätigten Leerverkäufe allmählich durch Käufe wieder gedeckt werden und die Aktie damit wieder Auftrieb erhalte. "Noch sind aber keine Short-Deckungen sichtbar", sagte ein Händler. "Die Aktie ist noch nicht weit genug runter gegangen, um Investoren von einem Ende des bevorstehenden Abwärtstrends überzeugen zu können". Möglich sei auch länger anhaltender Seitwärtstrend wie in der Vergangenheit. Sollten die negativen Stimmung jedoch mittlerweile in dem Aktienkurs eingepreist sein, seien die Telekom-Stücke auch kurzfristig wieder für 75 Euro gut, hieß es.

Ein anderer Händler äußerte sich überrascht davon, dass die Aktie nicht noch stärker gefallen ist. Wie die meisten Aktienhändler hält er vor allem die Diskussion um die neue Gewichtung der Telekom in den europäischen Aktienindizes für den Motor der Kursverluste. Dieses Thema sei schon länger im Markt und werde noch für weitere Abschläge bei den Telekom-Aktien sorgen, sagte der Händler voraus.

Etwas Druck von den Telekom-Aktien nimmt nach Händlereinschätzung die Ansicht der Deutschen Börse AG, ihre Aktienindizes (Dax, MDax, Nemax und Smax) auch künftig weiter maßgeblich nach der Zahl der zum Börsenhandel zugelassenen Aktien zu gewichten und zu berechnen. Eine Änderung bei der Indexgewichtung in Bezug auf den Streubesitz nach dem Vorbild der Stoxx-Indizes sei nicht geplant, sagte ein Sprecher der Börse. Wenn das Streubesitzverfahren auf den Dax angewendet würde, würden die Telekom-Papiere wegbrechen, sagte ein Händler.

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