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07.01.2001

19:00 Uhr

Deutsche Unternehmen halten an EDV-Budgets fest

Kommentar: E-Commerce-Trend ungebrochen

VonJens Koenen

Deutsche Großunternehmen werden auch künftig viel Geld in die Hand nehmen, um ihre Geschäftsaktivitäten auf das Internet auszurichten. Für die leidgeplagte Software-Industrie ist das eine gute Nachricht. Trotz der drohenden konjunkturellen Abschwächung in den USA und auch in Europa kürzen die Firmen hier zu Lande ihre Budgets für E-Commerce-Projekte nicht. Im Gegenteil: Einige Konzerne legen einen Zahn zu und greifen noch tiefer als ursprünglich geplant in die Taschen.

Auf den ersten Blick überrascht dieses Ergebnis. Schließlich zeichnet sich im weltweit wichtigsten Software-Markt, den USA, ein gegenläufiger Trend ab. Seit Wochen bewegt die Investoren in der Neuen Welt vor allem eine Frage: Halten die US-Konzerne ihre EDV-Budgets aufrecht oder nicht? Je mehr Indizien für eine harte Landung der US-Konjunktur sprechen, desto skeptischer werden die Anleger. Dies dokumentieren die teilweise dramatischen Kursverluste etwa bei Anbietern so genannter B2B-Software zur Steuerung von Geschäftsprozessen zwischen Unternehmen über das Internet.

Doch bei näherem Hinsehen klärt sich der vermeintliche Widerspruch zwischen Deutschland und Nordamerika auf. Zum einen ist die Bereitschaft der deutschen Firmen, nach wie vor viel Geld für E-Commerce auszugeben, verständlich. Gegenüber den USA hat die hiesige Wirtschaft immer noch einen großen Nachholbedarf. Zum Zweiten gibt es zwar auch in Deutschland Anzeichen für ein nachlassendes Wirtschaftswachstum. Aber die Auguren und auch die Konzernlenker sind - zumindest noch - überwiegend davon überzeugt, dass eine wirtschaftliche Delle, so sie denn kommen wird, keineswegs US-Dimensionen erreicht.

Zum Dritten haben die Lieferanten von B2B-Software ein entscheidendes Verkaufsargument. Ihre Programme optimieren zum Beispiel den Einkauf von Vorprodukten. Damit hilft die EDV den Konzernen, Kosten zu senken. E-Commerce-Investitionen sollten also nicht den konjunkturellen Gegebenheiten, sondern ausschließlich strategischen Überlegungen folgen. Trotz zunächst hoher Kosten - gerade mit Blick auf eventuell schlechtere Tage lohnen sich die Ausgaben.

Den Managern deutscher Großkonzerne fällt es offenbar leichter, dieser Maxime zu folgen, als ihren US-Kollegen. In der Neuen Welt dominiert gerade bei börsennotierten Unternehmen eine recht kurzfristige und zudem stark auf den Aktienkurs gerichtete Sichtweise. Deshalb ist es nahe liegend, dass US-Manager angesichts der schlechteren Aussichten bestrebt sind, ihre Bilanz kurzfristig von Belastungen zu befreien. Das trifft auch die Kosten senkende B2B-Software. Wie stark die US-Manager den Rotstift ansetzen werden, ist ungewiss. Doch die Chancen stehen gut, dass das Gesamtbudget eher selten gekürzt wird. US-Firmen werden versuchen, E-Commerce-Projekte zeitlich zu strecken.

Zumindest in den kommenden zwei bis vier Jahren bleibt der B2B-Trend also ungebrochen. Das ist gut für den Kurs der Unternehmen, die die Effizienz steigernde Software einsetzen. Das ist aber auch gut für die Firmen, die die Software verkaufen. Bereits Anfang der 90er-Jahre, zu Zeiten der letzten Konjunkturdelle in den USA, stiegen Unternehmenssoftware-Aktien stärker als der Gesamtmarkt. Alles spricht dafür, dass B2B-Aktien diese Erfolgsgeschichte mittelfristig wiederholen können.

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