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16.01.2003

08:30 Uhr

Deutschen Anlegern drohen bei US-Anleihen auch in diesem Jahr Währungsverluste

Europäische Staatsbonds schlagen US-Papiere

VonVün Andrea Cünnen, Gerhard Mauerer

Analysten erwarten in diesem Jahr bei europäischen Staatsanleihen eine bessere Entwicklung als bei US-Bonds. Im vergangenen Jahr entwickelten sich die Kurse von US-Staatsanleihen zwar besser als die von Euro-Papieren, aber Anleger aus der Euro-Zone mussten zusehen, wie die Abwertung des Dollars ihre Gewinne auffraß.

FRANKFURT/M. Die Mehrzahl der Rentenexperten erwartet gegenwärtig, dass die Effektivverzinsung von Staatsanleihen im Laufe dieses Jahres steigen wird. Eine Minderheit sieht dagegen den Trend bei den Renditen festverzinslicher Wertpapiere eher als stabil oder sogar leicht sinkend. Die Effektivverzinsung steigt, wenn die Kurse fallen.

In einem sind sich die Experten aber einig: Staatsanleihen in der Euro-Zone werden besser abschneiden als ihre Pendants in den Vereinigten Staaten. Im vergangenen Jahr war es umgekehrt. Die Renditen der "Treasuries" genannten Papiere in den USA sanken auf historische Tiefstände. Die richtungweisende zehnjährige US-Staatsanleihe rentierte zeitweise unter 4 %.

Anleger aus der Euro-Zone schnitten mit den Festverzinslichen aus den USA dennoch schlechter ab als mit entsprechenden heimischen Staatsbonds. Der Grund: Die Kursgewinne und Zinszahlungen wurden durch Devisenverluste aufgefressen, denn der Dollar hat zum Euro verloren. Nach Berechnungen der DZ Bank machten Anleger, die sich nicht gegen Währungsverluste abgesichert hatten, mit US-Staatsanleihen einen Jahresverlust von rund 9,5 %. Mit Anleihen der Euro-Zone gewannen sie dagegen knapp 9 %.

Währungsverluste drohen den Anlegern nach Ansicht vieler Banken auch in diesem Jahr. Morgan Stanley zum Beispiel erwartet, dass der Euro sich gegenüber dem Dollar bis zum Jahresende auf 1,08 Dollar befestigen wird. Derzeit kostet ein Euro 1,06 Dollar. Die Deutsche Bank rechnet damit, dass der Euro am Jahresende bei 1,15 Dollar notiert.

Die DZ Bank rechnet zwar mit einer Aufwertung des Dollars, dennoch rät sie von US-Staatsanleihen ab. "Dabei steht und fällt alles mit der Konjunkturprognose", sagt Rentenanalyst Hartmut Preiß. Wenn die Wirtschaft in den USA anziehe, werde das auch dem Dollar helfen. Dabei rechnet die DZ Bank mit einer moderaten Konjunkturerholung ab dem zweiten Halbjahr. Die Konjunkturlokomotive sollte in den USA deutlicher anspringen als in Europa, was die US-Staatsbonds stärker unter Druck bringen sollte. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen wird nach Schätzung der DZ Bank bis Jahresende von derzeit 4,04 % auf 5,75 % steigen. Für die zehnjährige Bundesanleihe, die in der Euro-Zone nach wie vor als Richtschnur für die Entwicklung der Kapitalmarktzinsen gilt, prognostiziert die DZ Bank einen Jahresendstand von 5,20 %. Derzeit bietet die zehnjährige Bundesanleihe eine Rendite von 4,27 %.

Damit ist die DZ Bank wesentlich pessimistischer für die Staatsanleihen als andere Häuser gestimmt. Thomas Mayer, Chefvolkswirt für Europa bei der Deutschen Bank meint, dass in diesem Jahr nur mit steigenden Anleiherenditen zu rechnen sei, wenn sich die Wirtschaft kräftig erhole. Vor allem hinter der nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung stehe aber ein dickes Fragezeichen. Mayer rechnet für 2003 schlechtestenfalls mit stagnierenden Anleiherenditen. Jamil Baz, Chef des Global Fixed Income Research der Deutschen Bank, bewertet Bundesanleihen unter Risikogesichtspunkten immer noch als billig und rechnet deshalb vor allem hier mit fallenden Renditen.

Morgan Stanley erwartet im ersten Quartal in Europa eine kleine Bondrally. Zinsstratege Gordian Kemen erklärt das unter anderem damit, dass eine weitere zu erwartende Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) noch nicht eingepreist sei. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe könnte sogar bis März unter 4 % fallen. Anschließend sollte jedoch unter anderem die moderate konjunkturelle Erholung die Rendite wieder auf 5,0 % steigen lassen. In den USA sollten dagegen fiskal- und geldpolitische Anstöße zu greifen beginnen. Zudem habe sich die US-Notenbank klar auf einen neutralen Kurs begeben. Morgan Stanley rechnet mit einem Renditeanstieg zehnjähriger Treasuries auf 5,50 % zum Jahresende. Dabei sieht Europa-Volkswirtin Elga Bartsch jedoch die Gefahr, dass die Korrektur der US-Staatsanleihen schärfer ausfällt.

Quelle: Handelsblatt

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