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23.01.2002

19:00 Uhr

Deutscher Energiekonzern zollt Börsenschwäche Tribut

EnBW will Börsengang vertagen

Die schlechte Stimmung an der Börse macht dem drittgrößten deutschen Energieversorger EnBW einen Strich durch die Rechnung. Der Aufsichtsrat soll am Donnerstag den Börsengang verschieben.

brb STUTTGART. Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) will den für Mai geplanten Börsengang verschieben. Mit dieser Vorstellung geht Konzernchef Gerhard Goll in die Aufsichtsratsitzung am Donnerstag. Obwohl die Vorbereitungen für den Börsensprospekt längst laufen, gibt Goll einer erfolgreichen Aktienplatzierung derzeit wenig Chancen. Auch beratende Banken wie die Deutsche Bank sollen abgeraten haben.

Mit einem Volumen von bis zu 2 Mrd. Euro sollte der Börsengang eine der größten Emissionen in Deutschland in diesem Jahr werden. Deren Vertagung wöge nun umso schwerer, weil das Geschäft mit Aktienplatzierungen zuletzt fast zum Erliegen gekommen ist.

Insgesamt sollten rund 25 % der EnBW-Aktien an die Börse kommen. Sie liegen derzeit in kommunalen Händen. Die EnBW-Aktie ist zwar schon börsennotiert, doch nur 1,5 % sind bislang in Streubesitz. Maßgeblicher Großaktionär ist der größte europäische Stromkonzern Electricité de France (EdF) mit 34,5 % der Anteile. Gleichzeitig ist eine Vielzahl von baden-württembergischen Städten und Gemeinden Mitaktionär des drittgrößten deutschen Energiekonzerns. Die EnBW sieht sich als Vorreiter der Liberalisierung des deutschen Strommarktes und hat mit der Marke Yello bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Vorstandschef Goll möchte sich offenbar nicht auf einen neuen Zeitpunkt für die Emission festlegen. Unangenehm ist die Vertagung in jedem Fall, da sie die EnBW zwingt, die am 31. August fällige Wandelanleihe in Höhe von 490 Mill. Euro zurückzuzahlen. Offenbar denkt der Konzern daher darüber nach, eine neue Anleihe aufzulegen.

Auch die kommunalen Mitaktionäre müssen besänftigt werden. Sie wollen mit dem Börsengang Kasse machen und erwarten eine schnelle Lösung. Ihnen ist versprochen, dass sie in diesem, spätestens im nächsten Jahr zu ihrem Geld kommen. Analysten halten eine Aktienplatzierung in diesem Umfang in der derzeitigen Börsensituation für problematisch. "Versorgungsunternehmen, die jetzt an die Börse wollen, müssten Abstriche beim Preis machen", sagt Lüder Schumacher von der Deutschen Bank.

Doch nicht nur die schlechte Stimmung an der Börse macht der EnBW Schwierigkeiten. Auch die Ertragsentwicklung ist nicht so, wie sie sein sollte, heißt es in Analystenkreisen. Die Erträge im Stromgeschäft leiden im Geschäft mit Großkunden unter massiven Preisverfall. Zudem macht der Ableger Yello noch immer hohe Verluste, auch deshalb schrieb EnBW im Jahr 2000 im Stromgeschäft operativ rote Zahlen. Das Finanzergebnis der EnBW wird außerdem durch eine Vielzahl von Firmenkäufen strapaziert.

"Die Aktionäre wollen Perspektiven sehen. EnBW muss zeigen, dass die Erträge im Stromsegment steigen werden", sagt Christoph Keidel von BW-Bank. Nach einem drastischen Preisverfall auf Grund des verschärften Wettbewerbs konnten die Stromkonzerne erst im vergangenen Jahr wieder Preiserhöhungen durchsetzen.

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