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17.02.2002

20:38 Uhr

Deutschland auf dem Weg zur Nummer eins - Sporthilfe um 250 000 Euro ärmer

Deutscher Rekord von 13 Mal Gold möglich

Deutschland ist bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City zur Halbzeit erneut auf dem Weg zur stärksten Wintersport-Nation der Welt. "Ich hoffe darauf, dass wir in der Endabrechnung vor Russland, den USA und Norwegen liegen," sagte Walther Tröger, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) für Deutschland, nach exakt 39 von 78 Entscheidungen.

HB/sid SALT LAKE CITY. "Wir haben Ausfälle in einigen Disziplinen durch Überraschungen in anderen kompensiert und können bislang auf eine sehr gute Bilanz verweisen", meinte der Chef de Mission. Zu den nicht unbedingt erwarteten Resultaten zählte am Sonntag auch Bronze für die 4x10-km-Langlauf-Staffel der Herren. Fünf Gold-, acht Silber- sowie sechs Bronzemedaillen für das deutsche Team bedeuteten am Sonntagmittag vorerst Rang zwei hinter Norwegen (8-5-0).

Die vor vier Jahren in Nagano (12-9-8) von den Russen zurückeroberte Vormachtstellung soll mit einer starken zweiten Woche erfolgreich verteidigt werden. "Von Beginn an ist es gut gelaufen, so dass am Ende nur etwas Positives herauskommen kann. Auch durch das Umfeld ist die Stimmung so, dass sie kaum besser sein könnte", meinte Tröger.

Auch IOC-Vize Thomas Bach sieht "die Erwartungen an unsere Mannschaft erfüllt. Die Bilanz ist prima, die Anzahl der Medaillen und die Platzierung in der Medaillenwertung spricht für sich." Leistungssport-Koordinator Rolf Ebeling wollte zwar wie gewohnt keine Hochrechnung für die verbleibenden 39 Wettbewerbe abgeben, hält aber den "olympischen Rekord" von 13 Goldmedaillen der UdSSR 1976 in Innsbruck nicht für utopisch. "Dafür muss aber alles stimmen. Es hat sich auch bei anderen Nationen gezeigt, wie sichere Bänke plötzlich einstürzen. Außerdem wird es für alle schwieriger, weil sich die Goldmedaillen auf immer mehr Nationen verteilen", sagte Ebeling.

17 Länder verbuchten bislang mindestens einmal das begehrteste Edelmetall auf der Habenseite. In Nagano, wo nur 68 Entscheidungen ausgetragen wurden, teilten am Ende nur 15 Länder die Goldmedaillen unter sich auf.

"Wir haben nur ganz wenige Enttäuschungen erlebt. Weit unter den Erwartungen blieben die Snowboarder. Da sollten einige einmal ihre Einstellung überprüfen", sagte Ebeling. Die zuvor teilweise hoch gehandelten Brettartisten erreichten keine einzige Top-Ten-Platzierung.

Damit blieb ihnen auch ein Stück vom Prämienkuchen der Deutschen Sporthilfe verwehrt, die bislang bereits 250 000 Euro an die Aktiven ausschütten musste. Ein Olympiasieg wird mit 15 000 Euro bedacht, für Silber werden 10 000, für Bronze noch 7 500 Euro gezahlt. "Wir freuen uns wirklich, wenn wir zur Kasse gebeten werden", meinte Hans-Ludwig Grüschow, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe, die über "Rücklagen in der Größenordnung von gut 10 Millionen Euro verfügt" (Grüschow).

Die Gesamtförderung der Top-Athleten im Vorfeld von Olympia mit insgesamt fast 1,5 Millionen Euro (1999 bis 2001) soll sich auch in der "stark von Staffeln geprägten zweiten Woche" (Ebeling) bezahlt machen. In der deutschen Mannschaft setzt man für die Fortsetzung der Erfolgsstory vornehmlich auf Biathlon, schnelle Bobs und goldene Zeiten bei den Eisschnellläuferinnen.

Einen besonderen "Dank" richtete Ebeling bereits vorab an die erfolgreichen deutschen Eishockeyspieler: "Sie bilden den integrativen Faktor innerhalb des Olympiateams. Die Power, die in dieser Mannschaft steckt, überträgt sich positiv auf die anderen." Walther Tröger würdigte die hervorragenden Rahmenbedingungen. "Wir hatten Angst, dass die chauvinistische Einstellung der Amerikaner wieder zum Tragen kommt. Aber die Stimmung ist exzellent, die Aufgeschlossenheit ganz anders als im übrigen Amerika. Wenn das alles so weiter geht, werden das gute Spiele", sagte der NOK-Präsident und sprach zudem vom "besten Olympischen Dorf, was wir im Winter je hatten".

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