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16.06.2000

20:17 Uhr

Deutschland-Besuch

Deutsche Unternehmen bauen Russland-Engagement aus

Zum Abschluss seines Besuches brachte Ministerpräsident Putin noch mehrere Großprojekte deutscher Unternehmen mit der russischen Gazorom unter Dach und Fach.

adx BERLIN. Deutsche Unternehmen werden ihr Engagement in Russland weiter ausbauen. Zum Abschluss des Besuchs von Präsident Wladimir Putin wurden am Freitag in Berlin Rahmenabkommen für vier Projekte mit dem russischen Energiekonzern Gazprom im Gesamtwert von über 3,5 Mrd. Mark unterzeichnet. Vereinbart wurde des weiteren die Bildung einer strategischen Arbeitsgruppe, die bestehende und neue Wirtschaftsprojekte begleiten und umsetzen soll. Der Arbeitsgruppe gehören auf russischer Seite die stellvertretenden Wirtschafts- und Finanzminister sowie ein Staatssekretär des Industrieministeriums, auf deutscher Seite der Staatssekretär im Finanzministerium, Cajo Koch-Weser, der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Axel Gerlach, und der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold, an. Erste Gespräche finden bereits Mitte Juli in Moskau statt, teilte der Ost-Ausschuss mit.

Am Vormittag hatte in Berlin ein Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft mit Putin und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) stattgefunden. An ihm nahmen rund 25 hochrangige Vertreter deutscher Unternehmen teil, darunter Ruhrgas, Wintershall, Siemens, ABB, Volkswagen, BMW, Ferrostaal, Knauf, Bosch und mehrere Banken. Die Unternehmen präsentierten ihre geplanten und aktuellen Projekte in Russland, unter anderem in den Bereichen Automobil und Zulieferer, Energie, Maschinenbau, Nahrungsmittelverarbeitung, Handel und im Bankenbereich. An den Gesprächen im Haus der Deutschen Wirtschaft hatten auch die Wirtschaftsminister beider Länder, German Gref und Werner Müller (parteilos), teilgenommen.

Mangold sagte, die deutschen Unternehmen hätten ein strategisches Interesse an der Intensivierung der Zusammenarbeit mit Russland. Die vereinbarten Projekte seien ein deutlicher Beweis für das Potenzial der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. Mit einer weiteren Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit könnten auch die Reformkräfte in Russland weiter gestärkt werden. Die deutsche Wirtschaft sei bereit, ihr Engagement in Russland weiter auszubauen, wenn die Wirtschaftsreformen zügig verabschiedet und umgesetzt werden, betonte Mangold. Schwierigkeiten bereiten den Unternehmen insbesondere überraschende und rückwirkende Rechtsänderungen, widersprüchliche Rechtsbestimmungen und eine unterschiedliche Behördenpraxis. Putin habe sich sehr aufgeschlossen gegenüber den Erwartungen der deutschen Wirtschaft hinsichtlich einer Verbesserung der Rahmenbedingungen gezeigt.

Zu den bereits fest mit Gazprom vereinbarten neuen Vorhaben gehört ein Projekt mit der BASF-Tochter Wintershall. Es betrifft die Zusammenarbeit bei der Erschließung einer Erdöllagerstätte in der arktischen Petschora-See, rund 70 Kilometer vor dem Festland, teilte Wintershall erläuternd mit. Das Vorhaben hat ein Investitionsvolumen von einer Milliarde Dollar und wird bereits im vierten Quartal in Angriff genommen. Mit der Förderung soll dann 2004 begonnen werden.

Die Essener Ruhrgas AG will mit Gazprom auf den Gebieten Umweltschutz und Energieeinsparung noch enger zusammenarbeiten. Die Vereinbarungen sollen nach Ruhrgas-Angaben die Energienutzung in Russland effizienter machen und so den Ausstoß von Treibhausgasen eindämmen. Bestandteil des Vertrages ist die weitere Modernisierung des russischen Pipeline-Netzes und der Einbau neuer Steuersysteme. Die Salzgitter Anlagenbau errichtet nach Informationen des Ost-Ausschusses in dem Gazprom gehörenden Erdöl- und Erdgasfördergebiet von Nowi Urengoi eine Chemieanlage. Die Essener Ferrostaal liefert Gazprom Ausrüstungen.

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