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27.01.2003

15:51 Uhr

Deutschland braucht Veränderung

Davos-Tagebuch (8): Von der Neuordnung des Bankensektors

VonHermann-Josef Knipper

Über das Thema "Banken in der Krise" ist beim Weltwirtschaftsforum in Davos am Montag zum ersten Mal geredet worden. Und zwar nur im Rahmen eines Mittagessens, bei dem über verschiedene Modelle der Banken-Restrukturierung in Schwellenländern diskutiert werden sollte. Das Ergebnis der Debatte war bemerkenswert: Als das Land, dessen Kreditwirtschaft neben Argentinien und Japan heute den höchsten Neuordnungsbedarf hat, stellte sich nach Ansicht der meisten Teilnehmer Deutschland heraus.

DAVOS. Zunächst ließ ein Banker aus Malaysia aufhorchen: Vor einigen Jahren, so erzählte er, habe Premierminister Mahatir bin Mohamad beschlossen, dass der kriselnde Bankensektor restrukturiert werden müsse. Die Zahl der Banken, so seine Vorgabe, solle binnen sechs Monaten von 25 auf zehn reduziert werden. Banker, die sich diesem Befehl widersetzen wollten, seien so lange in Verhandlungsräume eingesperrt worden, bis sie ein Fusionskonzept präsentiert hätten. So soll die Sanierung des malayischen Finanzsektors damals tatsächlich gelungen sein, eines Sektors, der heute in Asien als besonders gesund und profitabel gilt.

Diese Version der Ereignisse in Malaysia mag etwas geschönt und zugespitzt sein, zeigt aber, dass manchmal etwas Druck nicht schaden kann, wenn das Ziel auf andere Art nicht oder nur verspätet erreichbar ist. Die Gesprächsteilnehmer zeigten sich daher überzeugt, dass eine wichtige Voraussetzung für die Neuordnung jedweden Banksektors ein klarer politischer Wille sein müsse. Neben anderen Voraussetzungen wie die ausreichende Rekapitalisierung der Banken, frühzeitiges Gegensteuern im Rahmen eines modernen Risiko-Managements, Abbau unproduktiver Mitarbeiter und der Reduzierung fauler Kredite.

Rein zufällig saß ein hochrangiger Vertreter der deutschen Post mit am Tisch, der nun zum Besten geben musste, welchen radikalen Wandel das Bonner Staatsunternehmen in den letzten zehn Jahren durchgemacht hat. Als Rezept, das auf die Banken übertragbar sein könnte, nannte er zwei schlichte Punkte: 1. Kosten und damit Personal herunterfahren, 2. Preise erhöhen.

Was bedeuten diese Erkenntnisse für die in drei abgeschottete Blocks aufgeteilte deutsche Kreditwirtschaft? Zum einen müssen Bundes- und Länderregierungen schleunigst erkennen, dass eine säulenübergreifende Konsolidierung zwischen Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken nicht länger gesetzlich blockiert werden darf. Zweitens müssen die Preise für die Dienstleistungen der Institute mittel- und langfristig auf das Niveau Großbritanniens oder der USA steigen, denn mit dem heutigen Modell und im aktuellen konjukturellen Umfeld sind im deutschen Bankgeschäft nur rote Zahlen oder magere Margen zu erwirtschaften.

Schade nur, dass beide Erkenntnisse bisher nur in Davos gewonnen wurden, dass zwischen Flensburg und Freiburg weder in der Politik noch bei den meisten Banken ausreichend Restrukurierungsdruck empfunden wird. Kurzfristig dürfte sich also kaum etwas ändern in Deutschland. Früher oder später wird die Konsolidierung aber kommen müssen. Aber später werden die Einschnitte deswegen umso tiefer ausfallen müssen.

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