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31.03.2003

11:15 Uhr

Deutschlandchef von Heidrick & Struggles

Christoph Netta: Der Karriere-Macher

VonSimone Wermelskirchen

Stickige Luft, dazu Kaffee und trockenes Gebäck. Seit Stunden sitzen die Vorstandsmitglieder beisammen, verzehren missmutig Kekse, melden sich hin und wieder zu Wort: Sie "meinen", "glauben", "wissen es vielleicht" und ertragen schicksalsergeben ein Szenario, dessen Sinn an diesem Tag wohl selbst dem Unternehmenschef verborgen zu bleiben scheint.

Beschreibt Christoph Netta, "nicht enden wollende Meetings, wo jeder dazwischen quasselt", verrät seine Wortwahl deutlich, wie sehr ihn Veranstaltungen dieser Art "quälen". Wenn ein Vorstandschef eine Konferenz nicht streng führt, ist die Schmerzgrenze des Personalberaters schnell überschritten. "Vor allem bei Sätzen mit ,glaube?, ,wüsste? und ,vielleicht?, verliere ich die Geduld", gesteht der Deutschlandchef von Heidrick & Struggles.

Sollen wichtige Chefpositionen in der Finanzbranche oder in Versicherungskonzernen neu besetzt werden, klingelt Nettas Telefon in einem alten, villenähnlichen Gebäude. Die standesgemäße Adresse: München Bogenhausen. Im Zimmer des Deutschlandchefs hängt ein Werk von Urs Lüthi in fröhlich poppigen Farben hinter dem Schreibtisch - "Happiness" taufte der Künstler sein Werk. Und gute Laune strahlt an diesem Morgen auch der Geschäftsführer aus, dessen Bürotür für seine Mitarbeiter offen steht.

"Auf gute Kommunikation lege ich Wert", sagt Netta, der seine Fähigkeiten auf diesem Gebiet während seiner Bundeswehrzeit als Moderator bei Radio Andernach erproben durfte. Sein Gespür für Menschen begründet er dagegen mit seiner Herkunft: "Ich bin Rheinländer." Als solcher weiß er zu genießen, liebt gutes Essen und Wein, moderne Kunst und Urlaube. Schnell fühlt er sich in jeder Großstadt heimisch. Doch sein Lieblingsziel heißt Miami. Der farbenprächtig multikulturellen Stadt gibt er den Vorzug vor dem zwar attraktiven, aber "nicht schönen und zu vollen New York".

Neben der üblichen Managementliteratur hat der Geschäftsführer zu vielen seiner Interessengebiete Nachschlagewerke im Regal stehen. Nur der Schreibtisch wirkt fast ein wenig zu aufgeräumt. Den Grund dafür kennen seine Mitarbeiter: Ihr Chef zeichnet sich durch sein Organisationstalent aus. Netta setzt auf Systematik, auf Struktur und arbeitet riesige Aktenberge und unzählige E-Mails in kürzester Zeit ab. Wer da nicht mit ihm Schritt halten kann, erlebt ihn ungeduldig.

Burschikose Art wird leicht unterschätzt

Der Wert, den er Strukturen in seinem Arbeitsleben einräumt, spiegelt sich auch in seinem Kunstgeschmack wider. So könne sich das poppige Bild mit dem Titel "Happiness" in seinem Büro eigentlich nur demjenigen erschließen, der die Struktur verstehe, sagt Netta. Das Werk und sein Besitzer scheint damit ein weiteres Merkmal zu verbinden - leicht sind sie nicht zu durchschauen.

"Es kommt tatsächlich öfter vor, dass Geschäftspartner Netta wegen seiner lockeren und leicht burschikosen Art unterschätzen", sagt Mathias Hiebeler, Partner von Heidrick & Struggles. Aber natürlich habe sein Kollege auch eine andere Seite. Er sei ziemlich straight forward - geradeheraus. Selbst bei unpopulären Entscheidungen halte er sich nicht zurück. "Und das Wort Hierarchie sagt ihm sehr wenig."

Zusammen mit Netta baute er vor 13 Jahren das Münchner Büro von Heidrick & Struggles auf. Die Beratung ist heute Marktführer im deutschen Executive-Search-Geschäft. Kein Wunder, dass es in Zeiten des Internet- Booms Monate gab, wo die eingehenden Aufträgen kaum zu bewältigen waren. Damals, erinnert sich der Geschäftsführer, arbeiteten sie alle rund um die Uhr - auch am Wochenende. Er hätte von seinen Mitarbeitern sehr viel gefordert, manchmal wohl auch zu viel, räumt er ein.

"Netta ist sehr erfolgsorientiert, aber nicht verbissen", urteilt dennoch sein Kollege Hiebeler. Und sein Sinn für Situationskomik sei bekannt - zum Beispiel bei einem inzwischen berühmt berüchtigten Scampi-Essen. Als ein Kollege vergeblich versuchte, sein Meerestier zu filetieren, landete es unter den erstaunten Augen eines Vorstands im hohen Bogen auf Nettas Teller. Der aber ignorierte die Artisteneinlage, fuhr unbeirrt in der Unterhaltung fort.

Als er später dann das Meerestier aß, kommentierte er dies wie selbstverständlich: "Wirklich ausgezeichnet dein Scampi." Der Vorstand wusste die gute Zusammenarbeit der beiden zu würdigen. Er vergab den Auftrag.

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