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11.04.2003

18:00 Uhr

Deutschlands Mobilfunkbetreiber

Zur Masse gehört auch die Klasse

VonDr. Martin Sonnenschein (Vice President von A.T. Kearney, Leiter der Communications/Media & Entertainment Practice Central Europe)

Vorsichtigen Prognosen und schwacher Konjunktur zum Trotz haben Deutschlands Mobilfunkbetreiber nur wenig Grund zur Klage: Ende des vergangenen Jahres erreichten sie laut Erhebung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post 59,2 Mio. Teilnehmer. Damit konnten sie ihre Teilnehmerzahl nochmals um knapp drei Millionen steigern und erreichten eine Penetrationsrate von 71,7 Prozent.

Dr. Martin Sonnenschein

Dr. Martin Sonnenschein

Im internationalen Vergleich - so die Regulierungsbehörde - liegt Deutschland damit deutlich vor den USA (47,7 Prozent), Japan (62,1 Prozent) und Osteuropa (30 Prozent). Dennoch bleibt Raum für weiteres Wachstum, denn im direkten Vergleich mit den westeuropäischen Nachbarländern liegt die Penetrationsrate immer noch um etwa fünf Prozent unter dem Durchschnittswert von 77 Prozent.

So erfreulich dieses Wachstum auch sein mag - es verdeckt auch gewisse Risiken. Erfasst wurde hier die Zahl der ausgegebenen Karten, also die Anzahl der geschlossenen Mobilfunkverträge. Dies spiegelt die Ausrichtung der Vertriebs- und Marketingaktivitäten der Mobilfunkbetreiber wieder: Sie fokussieren nach wie vor auf die Steigerung der Penetration und forcieren dementsprechend Box-Verkäufe von Karte und Endgerät.

Der in den vergangenen Jahren erkennbare Rückgang des durchschnittlichen Umsatzes pro Mobilfunkkunde - des sogenannten ARPU (Average Revenue per User) - konnte unter anderem durch die Stillegung inaktiver Kunden eingedämmt werden. Heute konzentrieren sich die Hoffnungen der Mobilfunkbetreiber zunächst auf eine Erhöhung der Umsätze durch neue Datendienste. Mit großem Elan propagieren die Betreiber derzeit die MultimediaMessages (MMS), stehen jedoch vor der Herausforderung auch ihre weiteren Datendienste und vor allem Inhaltsdienste so weit zu kommerzialisieren, dass daraus Umsätze entstehen.

Nachhaltiges Wachstum kann nur erreicht werden, wenn zur Masse auch die Klasse kommt: Eine hohe Penetrationsrate, also eine möglichst große installierte Basis ist sicherlich die notwendige Voraussetzung für das zukünftige Wachstum der Mobilfunker, doch muss neben das Ziel, die Penetration auf westeuropäisches Niveau zu heben, ein zweites Ziel treten: die nachhaltige Steigerung des Umsatzes pro Kunde.

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