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20.02.2002

19:00 Uhr

Devisenhändler John Rusnak vereitelt Rekordergebnis 2001

Devisen-Betrug bei Allied reicht bis 1997 zurück

VonFelix Schönauer

Eigentlich hätte die Allied Irish Bank für das Jahr 2001 ein Traumergebnis präsentieren können. Mit 997 Mill. zurechenbarem Gewinn vor außerordentlichen Positionen entwickelte sich das Ergebnis der größten irischen Bank in Richtung eines neuen Rekords.

LONDON. Dass es dennoch anders kam, dafür sorgte die "außerordentliche Position" John Rusnak (HB vom 7.2.). Der Devisenhändler der amerikanischen Allied Allfirst Bank-Tochter häufte mit betrügerischen Spekulationen und möglicherweise fremder Hilfe Verluste in Höhe von insgesamt 691 Mill. $ (789 Mill. ) an, die den Gewinn nach Steuern auf 484 Mill. zusammenschrumpfen ließen. Inklusive der Position Rusnak ging der Gewinn gegenüber dem Vorjahr vor Steuern um fast die Hälfte zurück. Der Chef der irischen Bank Michael Buckley erwähnte gestern neben einer veränderten Höhe des Verlustes - bislang war man von einem Loch in der Kasse von 750 Mill. $ ausgegangen - dass die betrügerischen Spekulationen offenbar bis in das Jahr 1997 zurückreichen. "Es ist unerklärlich, wie so etwas so lange verborgen bleibt", sagte ein Analyst. "Das sieht nicht gut aus für das Management."

Wie bislang bekannt wurde, hat Rusnak mit Yen/Dollar spekuliert und sich nur mit Schein-Optionskontrakten abgesichert. Wie er das längere Zeit an den internen Sicherungssystemen vorbei geschafft hat, und wer daran noch beteiligt war, ist bislang unklar. Die Bank arbeitet gerade mit der amerikanischen Bundespolizei an einem Bericht über die Ereignisse. Die Ergebnisse werden dem Vorstand am 9. März vorgelegt. Bislang wurden lediglich Rusnak und eine Hand voll Händler suspendiert. Mitglieder des Spitzen-Managements blieben bis zum heutigen Tag verschont. CEO Michael Buckley äußerte sich zuversichtlich, dass die Affäre um die US-Tochter nicht länger dauere als das laufende Quartal.

Der Markt reagierte auf die Neuigkeiten gelassen. Die Aktie von Allied legte leicht auf knapp 12 zu. In den Wochen nach der Bekanntgabe des größten Betrugs seit Nick Leesons Fehlspekulation bei Barings waren die Kurse Achterbahn gefahren. Am 6. Februar war der Kurs um mehr als 23 % zurück gegangen. Seitdem ist er jedoch wegen Übernahmespekulationen wieder an einstige Hochstände herangekommen. Die vom Markt genannten Interessenten für Allied, die Royal Bank of Scotland und das britische Institut Barclays, haben bislang jedes Interesse an Allied dementiert.

Ohne den Rusnak-Faktor hatte sich das Geschäft für AIB im vergangenen Jahr gut entwickelt. Der Gewinn der Gruppe ohne Devisenverluste war um 10 % gegenüber dem Vorjahr auf 1 401 Mill. gestiegen. Die Vorsorge für notleidende Kredite stieg um mehr als ein Drittel auf 179 Mill. Euro an. Etwas überraschend war dabei für Analysten lediglich eine freie Rückstellung in Höhe von 50 Mill. Euro, aufgrund der "makroökonomischen Entwicklungen", wie es von Seiten der Bank hieß.

Analysten von Merrill Lynch nannten das Allied-Jahresergebnisse ohne Sondereffekte eine "gute operative Entwicklung". Die Kreditqualität sei gut, und auch die Margen im Kreditgeschäft (plus 1 Basispunkt gegenüber 2000) hätten sich besser entwickelt als erwartet (minus 15 Basispunkte). Der adjustierte Gewinn je Aktie betrug 119,4 Cents, rund 12 % mehr als 2000. Die Dividende für das Jahr 2001 wird 28,40 Cents je Aktie betragen (plus 13 %). Für das kommende Jahr erwartet Allied einen Gewinn je Aktie im "mittleren einstelligen Bereich".

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