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05.01.2001

12:23 Uhr

Devisenhandel auf US-Konjunkturdaten konzentriert

Euro behauptet sich deutlich über 0,95 Dollar

Der Euro hat sich am Freitag angesicht der wachsenden Überzeugung am Markt, dass die wirtschaftlichen Aussichten der Euro-Zone günstiger als die der USA und Japans sind, deutlich über der Marke von 0,95 $ behauptet.

Reuters FRANKFURT. Händlern zufolge ist die Gemeinschaftswährung am Vormittag zwar zunächst an der Barriere von 0,96 $ gescheitert, doch sei die optimistische Stimmung für den Euro nach Erreichen eines Siebenmonatshochs von 0,9595 $ am Morgen im Fernen Osten erhalten geblieben. Zur japanischen Währung hatte der Euro in Tokio vorübergehend ein Zehnmonatshoch von 111,70 Yen erklommen.

Der Markt warte auf den US-Arbeitsmarktbericht für Dezember, der um 14.30 Uhr MEZ veröffentlicht werden soll. Dieser könnte neue Aufschlüsse über den Zustand der amerikanischen Wirtschaft und über die weitere Zinspolitik der US-Notenbank liefern. Keine nennenswerten Auswirkungen auf das Marktgeschehen zeigten die deutschen Auftragszahlen sowie die im November um 0,4 % gegenüber Oktober gestiegenen europäischen Erzeugerpreise. Auch das gestiegene Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone bewegte die Kurse nicht.

Im Referenzkursverfahren öffentlicher Banken wurde der Euro mit 0,9543 nach 0,9464 $ am Donnerstag ermittelt. Damit kostete ein Dollar 2,0495 (2,0666) DM. Zum Yen wurde der Kurs des Euro mit 111,24 (108,11) Yen festgestellt. Die US-Valuta notierte gegen 13.10 Uhr MEZ mit 116,48/53 Yen nach einer letzten Notiz am Vorabend in New York von 115,70/78 Yen.

"Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten in den USA verschlechtern sich," sagte Mitsumaru Kumagai, Volkswirt beim Haus Mizuho Securities in Tokio. "Während die japanischen Exporte in die USA etwa 30 % der Gesamtausfuhr des Landes ausmachen, beträgt der Anteil der US-Importe aus Europa nur neun Prozent. Deshalb sind die europäischen Staaten weniger verwundbar im Falle einer Rezession in den USA", sagte er. Andere Händler sagten, vor dem Hintergrund der unsicheren Entwicklung der Aktienbörsen in den USA und Japan scheine Europa derzeit der sicherste Ort zu sein, um seine Gelder zu parken. Adam Cole, Volkswirt bei HSBC Markets in London fügte hinzu: "Wenn die Berichte aus den USA weiterhin eine raschere Abkühlung als in Europa aufzeigen, und wir erwarten, dass das so sein wird, wird der Euro auch weiterhin profitieren".

Die zweite Senkung des Diskontsatzes durch die Fed innerhalb von nur zwei Tagen bezeichneten Händler als ungewöhnlichen Schritt, der aber eher symbolische Wirkung habe. Am Donnerstag reduzierte die Fed den Diskontsatz um weitere 0,25 %punkte auf 5,50 %, nachdem sie diesen Satz bereits am Vortag um 25 Basispunkte auf 5,75 % ermäßigt hatte. Überraschend hatte die Fed am Mitwoch ihren Zielsatz für Tagesgeld um 0,5 %punkte auf 6,0 % zurückgenommen.

Devisenhandel auf US-Konjunkturdaten konzentriert

Analysten zufolge wird sich der Devisenhandel weiter auf Konjunkturdaten aus den USA konzentrieren, um die Situatuation der amerikanischen Wirtschaft zu analysieren. Von besonderem Interesse sei dabei der Arbeitsmarktbericht. "Zunächst haben wir einen Anstieg um 100 000 (neue Stellen) erwartet und jetzt wären wir nicht einmal überrascht, einen Rückgang zu sehen," sagte Julian Jessop von Standard Chartered.

Das US-Arbeitsministerium wird nach Einschätzung anderer Analysten für Dezember einen höheren Anstieg der Beschäftigtenzahl, aber auch eine höhere Arbeitslosenquote als im November veröffentlichen. Von Reuters befragte Volkswirte erwarten einen Anstieg der Beschäftigtenzahl außerhalb der Landwirtschaft um 102 000, nach einem Plus von 94 000 im November. Nach ihrer Schätzung ist die Arbeitslosenquote auf 4,1 % von 4,0 % gestiegen.

Händlern zufolge wirkten sich die am Vormittag veröffentlichten Daten aus Deutschland und der Euro-Zone nicht nennenswert auf die Kursentwicklung aus, weil sich die Marktteilnehmer vor allem auf die Entwicklung in den USA konzentrierten. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums ist der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland im November entgegen der Erwartung von Analysten gesunken, hat im Jahresvergleich jedoch zugelegt. Das Ministerium teilte am Freitag mit, die Auftragseingänge seien preis- und saisonbereinigt um 0,9 % zum Vormonat nach einem Plus von 3,1 % im Oktober gefallen. Im Jahresvergleich war dagegen ein Orderplus von 5,7 % nach 8,7 % im Vormonat zu verzeichnen. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Orderanstieg zum Vormonat von 0,2 % und im Jahresabstand von 6,2 % gerechnet.

Gold erholte sich am Freitag. Beim ersten Fixing in London wurden für die Feinunze am Vormitag 268,00 $ bezahlt nach 267,10 $ beim Nachmittagsfixing am Donnerstag.

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