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09.02.2001

11:42 Uhr

Dezimalsystem und Kurseinbruch sorgen für Katerstimmung

US-Technologiebörse Nasdaq wird 30 Jahre alt

Eine große Feier ist nicht geplant. Ihren dreißigsten Geburtstag beging die Nasdaq gestern im Stillen. An der High-Tech-Börse laufen die Dinge bei weitem nicht mehr so gut wie vor einem Jahr. Dennoch hat der weltweit führende Aktienmarkt für die "New Economy" ein Stück Börsengeschichte geschrieben.

hus NEW YORK. Zum 30-jährigen Jubiläum der Nasdaq erinnerte sich gestern mancher Broker wehmütig der guten alten Zeiten, die indes gar nicht so lange zurückliegen: 1999 hatte der Sammelindex der vollelektronischen Börse, an der vor allem High-Techwerte gelistet sind, ein phantastisches Plus von 86 % erzielt. Seitdem erlebten die Nasdaq - Werte die traurigste Entwicklung ihrer Geschichte. Sie brachen bis zum Jahresbeginn 2001 um 50 % ein. Die Zahl der Börsengänge ist stark geschrumpft. Außerdem wurde die High-Tech-Börse bei der Einführung des Dezimalsystems von der großen alten Dame NYSE (New York Stock Exchange) überholt.

High-Tech-Börse tut sich schwer mit Dezimalsystem

"Die nennen sich Technologie- Börse, aber es sieht so aus, als habe die New Yorker Börse die besseren Technik", sagt Patrick Healy, ein früherer Nasdaq-Manager, der sich als Unternehmensberater selbständig gemacht hat. Die Nasdaq kontert, sie sei mit der NYSE - der weltweit größten Börse - nicht vergleichbar, weil an der Nasdaq viel mehr kleine Unternehmen gelistet seien. Die Aktienhändler profitieren von der langsamen Einführung der Dezimalkurse, weil die Spannen zwischen Geld- und Briefkurs im alten Bruch-System größer sind als im Dezimalsystem. Eine neue Studie der staatlichen Aufsichtsbehörde SEC bestätigt, dass die Investoren an für Aktienkäufe an der Nasdaq mehr zahlen als an der NYSE. Doch trotz aller Schwächen und Hürden steht fest: Die Nasdaq hat ein wichtiges Stück Börsengeschichte geschrieben. Die Zahl der gehandelten Werte hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 1971 auf 5 000 erhöht. Zum Vergleich: bei der NYSE sind es nur 3 500. Der Sammelindex der Nasdaq startete bei 100 Punkten, und es dauerte neun Jahre, bis er die Marke von 200 Zählern durchbrach. Dagegen sieht der Schlusskurs des Jahres 2000 mit 2 470 Punkten trotz aller Enttäuschungen gar nicht so schlecht aus.

Startpunkt für Microsoft und Intel

Experten schätzen die Nasdaq vor allem als Börse, die kleinen, neugegründeten Firmen in einem frühen Stadium eine Chance gab. Solche Unternehmen hätten bei der großen NYSE keine Chance auf eine Notierung gehabt. Microsoft und Intel gehörten zu den Startups, die an der Nasdaq zugelassen wurden und ihr bis heute die Treue gehalten haben, obwohl sie später von der NYSE heftig umworben wurden. "Wenn Sie sich einmal all die Unternehmen vergegenwärtigen, die in den letzten 25 Jahren unser Leben verändert haben, dann werden Sie feststellen, dass die meisten von ihnen an der Nasdaq gelistet sind", sagte der neue Nasdaq Vorstand Hardwick Simmons. Die Nasdaq hätte einen weiten Weg hinter sich. "Es war ein Häuflein äußerst schwankender Werte mit dünnem Handelsvolumen aus dem früheren Freiverkehr", sagte Simmons. Im vergangenen Jahr wechselten dagegen an der Nasdaq pro Tag im Schnitt 1,7 Mrd. Aktien den Besitzer. Damit hat die Nasdaq erstmals die NYSE überholt.

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