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16.04.2003

15:52 Uhr

Diagnosetests werden entwickelt

WHO identifiziert Coronavirus eindeutig als SARS-Erreger

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat ein zuvor bei Menschen unbekanntes Coronavirus eindeutig als Auslöser der Lungenerkrankung SARS identifiziert. Das erklärte der SARS- Koordinator der WHO, Klaus Stöhr, am Mittwoch in Genf.

HB/dpa GENF. Gewöhnliche Coronaviren sind zwar für etwa 30 Prozent aller normalen Schnupfen- und Atemwegserkrankungen verantwortlich, das neue Virus wurde bisher jedoch noch nie bei Menschen beobachtet. Bis Mittwoch sind nach WHO - Angaben weltweit 159 Menschen am Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) gestorben, 3 293 Fälle wurden registriert.

Die Identifizierung des Virus gelang nach intensiver Zusammenarbeit von 13 Laboratorien aus zehn Ländern und bestätigt vorangegangene Vermutungen über die Rolle von Coronaviren bei SARS. Die Lungenkrankheit war am 12. März erstmals entdeckt und das Virus am 21. März isoliert worden. Nun werde mit Hochdruck an Tests zur Diagnose der Krankheit gearbeitet, erklärten WHO-Experten weiter. Ihre Entdeckung widmen sie dem WHO-Wissenschaftler Carlo Urbani, der die Krankheit als erster entdeckt hatte und am 29. März selbst an SARS gestorben war. Der Erreger wird künftig "SARS-Virus" genannt. Stöhr sagte, es handele sich um eine Mutation eines Coronavirus, das in einem neuen Umfeld auftrete. "Das Virus versucht, seine eigene ökologische Nische zu finden." Es gehöre zwar zu einer Familie, die auch normale Erkältungen auslösen könne, habe sich jedoch stark verändert. Nach Angaben der Wissenschaftler existiert das Virus schon seit langer Zeit, wurde aber vermutlich bisher nicht auf Menschen übertragen. Wie dies nun geschehen konnte, werde untersucht. Eine Möglichkeit seien die Essgewohnheiten in einigen chinesischen Gebieten. Daher würden auch Tests mit Mäusen, Schweinen und Geflügel gemacht.

Der WHO-Experte David Heymann verwies darauf, das China, wo der Ursprung von SARS vermutet wird, noch stärker mit der WHO zusammen arbeiten müsse. "Es ist eine Herausforderung für China, nicht nur die Krankheitsfälle zu isolieren sondern auch die Infektionen zu verfolgen", sagte Heymann.

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