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24.01.2003

06:00 Uhr

Dicke Luft zwischen Energiekontor und dem Anlegerbeirat des Nordleda-Fonds

Windpark-Anleger stecken in der Flaute

VonReiner Reichel

Zu wenig Wind an den Standorten, dafür zu viel Wind in einigen Gutachten und zu geringe Sicherheitabschläge in der Ertragsprognose: Den Windkraft-Investoren verwehen Ausschüttung und Kapital.

DÜSSELDORF. Viele Anleger, die ihr Geld Windkraftfonds anvertrauten, sind enttäuscht. Weil ihre Windmühlen öfter als erwartet still standen, gingen vereinzelt Betreiber pleite, und eine Reihe von Fonds strichen ihre geplanten Ausschüttungen. Für manchen Investor kommen deshalb die Performance-Tests der Beteiligungsanbieter seit dem vergangenen November durch die Windkraftexperten beim Bundesverband Windenergie (BWE) zu spät.

Am ärgsten traf es die Kommanditisten der Windenergieversorgung GmbH & Co. Windpark Himmelreich KG. Ihnen droht der Verlust des eingezahlten Kapitals, denn der Fonds hat Insolvenz angemeldet. Das BWE-Verbandsblatt "Neue Energie" zitiert Himmelreich-Geschäftsführer Franz Baier: "Uns hat der Wind gefehlt."

Flaute herrscht nicht allein um Himmelreich im Nordosten Bayerns. Auch im westsächsischen Hügelland zwischen Leipzig und Dresden weht der Wind ein wenig zu lau, weswegen die Investoren in die Windparks Ablaß und Bockelwitz des Anbieters Das Grüne Emissionshaus GmbH (DGE) in Freiburg gerade einmal rund 7,5 bzw. 19 Prozent der Soll-Ausschüttungen erhielten. DGE-Sprecher Marcus Brian gibt den Windgutachtern die Schuld: "Der Grund liegt in mangelhaften Windgutachten."

Schadensersatzklagen wegen fehlerhafter Expertisen räumt er generell kaum Aussicht auf Erfolg ein. Die Stromproduktion werde voraussichtlich zehn bis 15 Prozent hinter den Erwartungen bleiben, die Einnahmen aber weniger stark fallen, sagt Brian. Beim Fonds Bockelwitz soll eine zusätzliche Windmühle die Erträge nachträglich erhöhen. Die Ablaß-Kommanditisten werden demnächst über ein Kaufangebot eines anderen Investors für den Park zu entscheiden haben.

Auch in Nordleda hält sich der Wind nicht an die Prospektvorgaben. Statt der vom Bremer Beteiligungsanbieter Energiekontor AG (EK) prognostizierten 11,7 Mill. Kilowattstunden (kWh) jährlich produzierten die zwischen Bremerhaven und Cuxhaven aufgestellten Windräder von 1999 bis 2001 im Jahresdurchschnitt nur rund 8,9 Mill. kWh. Deswegen summieren sich die Ausschüttungen seitdem nur auf zwölf statt auf 48 Prozent. Die Kritik des Anlegerbeirates für diesen Fonds entzündet sich nicht allein am Windgutachten, sondern auch an der Planungsleistung von EK. Reinhard Ernst vom Anlegerbeirat des Fonds sagt: "Der Planer hätte die Risiken des Windgutachtens erkennen müssen." Zudem verließ sich EK auf ein einziges Gutachten.

Doch allzu optimistische Prognosen sind nicht allein die Schuld der Gutachter. Vielmehr verzichten Fondsanbieter oft auf notwendige Sicherheitsabschläge. Jens Wolters, -Peter Vorsitzender des BWE-Anlegerbeirates, warnt: "Der Sicherheitsabschlag ist meistens der einzige Puffer in der Ertragsprognose."

Mittlerweile ist es Usus unter Windpark-Fondsanbietern, zwei oder sogar drei Windgutachten einzuholen. Allerdings basieren die Prognosen hinterher nicht unbedingt auf dem Gutachten mit dem geringsten Ertrag. Das brächte zwar mehr Einnahmensicherheit, wäre aber hinderlich im Wettlauf um die Anleger, die noch immer zuerst auf Steuervorteile und Höhe der Ausschüttung schauen, aber nur selten fragen, wo beides herkommt.

Zwischen EK und Nordleda-Beirat herrscht noch aus anderen Gründen dicke Luft. Die zehn EK-Windmühlen sind umringt von 33 anderen Anlagen, was im Prospekt verschwiegen wurde. Außerdem müssen einige nachts abgeschaltet werden, weil sie zu nahe an Wohnhäusern stehen. Auch ist der Beirat der Auffassung, dass Planungskosten von EK falsch abgerechnet worden sind. Bislang sind Verhandlungen zwischen EK und den Nordleda- Kommanditisten über einen Rückkauf der Anteile oder Schadensersatz gescheitert. Ein Kommanditist habe Strafanzeige gegen die Vorstände Bodo Wilkens und Günter Lammers wegen Betrugs und Untreue gestellt, sagt Ernst. EK bezweifelt, dass es diese Strafanzeige gibt und hat gleichzeitig Strafanzeige gegen Ernst wegen Verleumdung und übler Nachrede angekündigt.

Die Nordleda-Kommanditisten hätten das Angebot, ihre Anteile zu 100 Prozent zurückzukaufen, nicht angenommen, heißt es in einer EK-Stellungnahme. Ein höheres Angebot werde es nicht geben. Mit anderen Anlegern wurde EK schneller einig. Im vergangenen Jahr kauften die Bremer bereits Anteile von zwei Fonds wegen mangelnder Leistung zurück.

Weiterführende Internetadressen:
www.wind-energie.de: Web-Site des Bundesverbands Windenergie
www.iwr.de: Internetseite des Wirtschaftsforums für regenerative Energien

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