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25.05.2000

20:07 Uhr

KAPSTADT. Das schwache Abschneiden der Johannesburger Börse (JSE) in diesem Jahr und das mangelnde Interesse ausländischer Investoren zeigt: Südafrikas Wirtschaft gilt als noch immer äußerst stark mit Rohstoffwerten besetzt und wird deshalb der so genannten "Old Economy" zugerechnet.

Während Firmen in anderen Schwellenmärkten ihre Präsenz im High-Tech-Sektor ausbauen, wird die JSE von den etwas aus der Mode gekommenen Minenwerten dominiert, die über ein Drittel ihrer Marktkapitalisierung ausmachen.

Ganz allmählich beginnen aber auch die Hochtechnologie-Werte an der JSE Fuß zu fassen. Zwei Unternehmen dominieren den IT-Markt am Kap: Zum einen ist dies Dimension Data (kurz: Didata), das eine breite Palette von Informatik- Dienstleistungen anbietet. Größter Konkurrent ist die stark im Ausland aktive Firma Datatech, die kürzlich durch einen spektakulären Absturz des Aktienkurses auffiel.

Wie einige andere Großkonzerne tragen sich beide Firmen mit Abwanderungsgedanken vom Kap weil sie hoffen, im Ausland leichter Kapital zu international wettbewerbsfähigen Bedingungen zu erhalten und ihr Image als Schwellenmarktfirmen abzuschütteln.

Regierung will Abwanderung verhindern

Hinzu kommt im Falle der IT-Firmen, dass sie ihren Angestellten Optionspläne anbieten müssen, um ihnen den Verbleib attraktiv zu machen. Allerdings sind solche Optionen auf die Aktien eines in einem Schwellenland tätigen Unternehmens weit weniger beliebt.

Didata dürfte in Kürze eine zweite Welle der Konzerne anführen, die ihren Firmensitz von Johannesburg nach London verlegen. In den vergangenen zwei Jahren sind bereits vier große Konzerne dorthin abgewandert: die Bergbauhäuser Billiton und Anglo American, der Brauereiriese South African Breweries (SAB) sowie der Lebensversicherer Old Mutual. Seither hat die südafrikanische Regierung dem Abwanderungsstreben jedoch einen Riegel vorgeschoben und Didatas Antrag einfach ignoriert.

Europa-Geschäft deutlich ausgebaut

Inzwischen hat die Firma bei der südafrikanischen Zentralbank jedoch erneut um Erlaubnis für eine Notierung in London nachgesucht. Firmenchef Jeremy Ord ist zuversichtlich, dass der Umzug nach London im dritten Quartal wahrscheinlich sei. Mit einer Marktkapitalisierung von fast 5 Mrd. £ würde Didata zu den fünf größten IT-Unternehmen in der britischen Finanzmetropole zählen.

Der Grund für eine Notierung in London statt New York liegt darin, dass der Firma auf der Insel weit mehr Aufmerksamkeit als an der Nasdaq zuteil würde. Ein solcher Börsengang wäre auch deshalb sinnvoll, weil die Firma bereits seit längerem in Europa aktiv ist. Zudem hat sie zuletzt das gesamte Europageschäft vom südafrikanischen Rivalen Persetel erworben.

Die Übernahme war von Analysten positiv aufgenommen worden, da zwischen beiden kaum Überlappungen in ihrem internationale Geschäft bestehen. Zudem verleiht die Allianz beiden mehr Kraft, um in die IT-Märkte jenseits von Südafrika vorzudringen.

Neben Europa ist Didata vor allem in Asien und Australien aktiv. Das vorige Woche vorgelegte Ergebnis konnte sich sehen lassen: In den zurückliegenden sechs Monaten legte der Umsatz um 71 % auf 4,5 Mrd. Rand zu (700 Mill. Euro), der Gewinn erhöhte sich in demselben Zeitraum um 72 % auf 305 Mill. Rand.

Im Gegensatz zu Didata will sein Konkurrent Datatech in London einstweilen nur seine bereits dort ansässige Sparte E Group-Services notieren. Gleichzeitig soll im Oktober in New York die dort beheimatete Vertriebsfirma Westcon an den Nasdaq gebracht werden.

Datatech war im Zuge der Korrektur der High-Tech-Werte vor drei Wochen geradezu spektakulär abgestürzt. Obwohl die Firma später ein solides Ergebnis vorlegte, hatten Ängste vor einem enttäuschenden Resultat zunächst zu Panikverkäufen und einem Absturz des Aktienkurses von 104 auf 40 Rand geführt. Zum Verhängnis wurde dem Unternehmen, dass es ausgerechnet zu dem Zeitpunkt einen schwächeren Gewinn andeutete, als die Nasdaq Mitte April abstürzte und die Anleger verunsichert waren.

Datatec galt lange als Star am IT-Himmel

Das vorgelegte Resultat, hat jedoch gezeigt, dass die Befürchtungen überzogen waren. Im Finanzjahr bis Ende März stieg der Umsatz um 84 % auf 12,2 Mrd. Rand, der Gewinn verbesserte sich um 75 % auf 393 Mill. Rand. Allerdings ist das Management von Datatech wegen seiner verfehlten Informationspolitik stark in die Kritik geraten.

Datatec hatte lange Zeit als der Star am südafrikanischen IT-Himmel gegolten und durch 40 vor allem im Ausland getätigte Neuerwerbungen seine Einnahmen in nur fünf Jahren um das 350-fache in die Höhe geschraubt. Mehr als 90 % der Einkünfte werden heute bereits im Ausland verdient.

Das enorme Wachstum hat jedoch die Frage aufgeworfen, ob die vielen Zukäufe ausreichend schnell integriert werden können und Firmenchef Jens Montanana die Fähigkeit besitzt, die Firma quasi im Alleingang zu steuern - eine Sorge, die einer durchgreifenden Erholung der Aktie zuletzt im Wege stand.

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