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30.01.2003

06:30 Uhr

Die angekündigte Dividende ist klein – aber sie setzt ein wichtiges Zeichen

Auch Microsoft kann nicht im Stadium der ewigen Jugend verharren

VonRebecca Buchman (Wall Street Journal)

Die Entscheidung von Microsoft, eine Dividende zu bezahlen, wurde bisher vor allem aus der direkten Perspektive des Anlegers diskutiert. Aber was sagt sie über die Unternehmensstrategie aus?

NEW YORK. Die Bill-Gates-Company hatte vor kurzem überraschend angekündigt, im März zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens eine Dividende zu zahlen - geplant sind, nach einem Aktiensplit im Verhältnis 1:2, acht Cent pro künftigem Anteilsschein. Jetzt fragen sich Analysten und Anleger, ob der Software-Gigant endlich begriffen hat, dass er sein Geld lieber den Aktionären gibt, statt es für verlustreiche Projekte wie die Videokonsole X-Box oder den Internetdienst MSN zu verschwenden. Manche Experten sehen die Ausschüttung als Zeichen für eine größere finanzielle Disziplin bei Investitionen in neue Projekte - und somit als gutes Zeichen für die Aktie.

Wegen seines riesigen Barbestands - gut 40 Mrd. Dollar per Ende 2002 - sei Microsoft in großer Versuchung, "unwirtschaftliche Wetten" auf Geschäftsfelder wie Videospiele, Internetdienste für Verbraucher oder Mobilfunk-Software einzugehen, sagt Robert J. Schwartz, Analyst bei Thomas Weisel Partners in Boston. Nach seiner Schätzung hat der Riese aus Redmond in den vergangenen Jahren mehr als zwei Mrd. Dollar mit seiner Spielekonsole versenkt; er glaubt, dass dieses Projekt erst in vier bis acht Jahren rentabel werden kann.

Der jüngste Bericht von Microsoft, der am 16. Januar veröffentlicht wurde, offenbart auch, dass die massiven Investitionen in MSN bisher beim Kampf gegen AOL Timer Warner ums Internet kaum geholfen haben. Die Zahl der Neukunden stagnierte im Quartal bei rund neun Millionen. Der Finanzvorstand von Microsoft sagte gegenüber Analysten zudem, im laufenden Quartal erwarte er keinen Anstieg der Einnahmen. Und das obwohl im Oktober eine brandneue MSN-Software eingeführt wurde und zusätzlich eine 300 Millionen Dollar schwere Werbekampagne startete, die sich direkt gegen AOL richtete.

"Ich glaube, wenn Microsoft heute die X-Box ankündigte, so würde das von den Investoren sehr negativ aufgenommen", sagt Scott Schermerhorn von Columbia Management in Boston. "Es gibt diesen Trend, zu den Basisgeschäften zurückzukehren." Aus seiner Sicht wird die Aktie durch die Dividende zwar etwas attraktiver, aber er hält sie dennoch für zu teuer.

Wenn aber Geld für eine - wenn auch kleine - Dividende abgezweigt wird, so bedeutet das eine Änderung der Denkrichtung, wie Analyst Schwartz anmerkt. Andere Experten kritisieren allerdings, mit einer Summe von etwa 860 Millionen Dollar sei die Dividende so gering, dass sie fast schon bedeutungslos sei. Steve Milunovich von Merrill Lynch ist daher eher enttäuscht. "Ich sehe dahinter keinen Strategiewechsel", sagt er. Schwartz meint jedoch, die Ausschüttung könnte im Laufe der Jahre ansteigen - vor allem, wenn die US-Regierung die angekündigten Pläne zu einer geringeren Besteuerung von Dividenden umsetzen sollte. Der Konzern hatte allerdings gesagt, seine Entscheidung habe mit den Steuerplänen von Präsident George Bush nichts zu tun.

Dividendenzahlungen gelten traditionell als typisch für Unternehmen, die ihre höchsten Wachstumsraten schon hinter sich gelassen und ein reiferes Stadium erreicht haben. Manche Experten dachten daher, Microsoft würde sich nie dazu durchringen. Aber Bill Gates und Konzernchef Steve Ballmer wissen seit Jahren, dass die Wachstumsraten im Kerngeschäft zurückgehen werden. Deswegen haben sie versucht, das Unternehmen als einen Service-Anbieter mit Internet-Basis neu zu positionieren, statt einfach CDs mit den Programmen Windows und Office zu vertreiben - womit immer noch das meiste Geld verdient wird. Aber dieser Strategiewechsel brachte Microsoft in Geschäftsfelder, in denen das Unternehmen wenig Erfahrung hat. Die Dividende ist vielleicht ein Zeichen, dass Bill Gates das reifere Stadium für sein Unternehmen akzeptiert.

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