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24.02.2003

19:46 Uhr

"Die Banken müssen jetzt liefern"

Banken bereiten sich auf billigere Auslandsüberweisungen vor

Mit neuen Formularen und Geschäftsregeln bereiten sich die Banken derzeit auf die von der Europäischen Union (EU) zum 1. Juli vorgeschriebene Verbilligung grenzüberschreitender Überweisungen innerhalb Europas vor.

rtr FRANKFURT. Die Umsetzung der EU-Verordnung gilt als wichtiger Schritt auf dem mühsamen Weg zum einheitlichen europäischen Zahlungsverkehr.

"Die Banken müssen jetzt liefern", sagte Christian Westerhaus, Zahlungsverkehrsexperte von der Deutschen Bank, am Montag auf einer Fachkonferenz in Frankfurt. Die Banken müssten die Angleichung der Gebühren für Auslandsüberweisungen im Massengeschäft innerhalb Europas an das Niveau für Inlandsüberweisungen als erste Hürde zur "Single European Payment Area" (SEPA) nehmen. Sonst könnten die EU oder die Europäische Zentralbank (EZB) die Regulierung verschärfen.

Auslandsüberweisungen sind trotz der Euro-Einführung um ein Vielfaches teurer als Inlandsüberweisungen geblieben, da die Formulare und Geschäftspraktiken von Land zu Land höchst unterschiedlich sind, und grenzüberschreitende Zahlungen für die Banken deshalb mit hohem Bearbeitungsaufwand verbunden sind. Insbesondere beim Transfer kleiner Beträge fällt das Entgelt stark ins Gewicht. Die EU erließ Ende 2001 eine Verordnung, nach der die Preise von Auslandsüberweisungen am 1. Juli 2003 auf das niedrigere Inlandsniveau gesenkt werden müssen. Die Politik hatte dies vorgeschrieben, nachdem die Banken jahrelang eine technische Vereinheitlichung vernachlässigt hatten, da sich dies aus ihrer Sicht wegen der geringen Stückzahlen nicht lohnte.

Nach Erhebungen der Bankenverbände sind nur ein Prozent aller Überweisungen Auslandstransfers. "Das 99-zu-eins-Lied haben wir lange genug gesungen, jetzt muss es Veränderungen geben", sagte Westerhaus. SEPA sei nicht nur ein Diktat der Politik sondern auch aus Kostengründen notwendig.

Doch die stärkere Harmonisierung von Geschäftsabläufen, Formularen und Datenformaten kommt nur mühsam voran. So haben sich Bankenverbände und Großbanken dafür europaweit vor knapp einem Jahr zum "European Payments Council" zusammengeschlossen. Zum Starttermin 1. Juli hat der Bankenkreis ein neues Formular für EU-Standardüberweisungen mit der international einheitlichen Kontonummer IBAN verabschiedet sowie eine Konvention, die unter anderem die Laufzeit von Überweisungen auf drei Tage verkürzen soll. Nur wenn Mindestanforderungen wie die Angabe der IBAN erfüllt sind, müssen die Banken die Preise senken. Die Kosten der Auslandsüberweisungen liegen nach Einschätzung von Ingo Beyritz vom Bundesverband deutscher Banken allerdings damit noch immer über dem vorgeschriebenen niedrigeren Inlandspreis.

Noch am Anfang stehen die Banken mit einheitlichen Regelungen für Lastschriften. Bezahlen per Einzugsermächtigung ist vor allem in Deutschland weit verbreitet. Bis Sommer diesen Jahres soll nach Worten von Westerhaus ein Standard gefunden sein, der jedoch erst ab Mitte 2005 gelten soll. Bis dahin wird es Beyritz zufolge auch noch dauern, bis Konventionen und die Infrastruktur für eine Vereinheitlichung aller Zahlungsarten verabschiedet sind. Völlige Harmonisierung sei frühestens 2010 zu erreichen. Da solche Vereinbarungen freiwillig sind, ist keineswegs sicher, dass alle Kreditinstitute sie einhalten. Für diesen Fall schloss Hans-Jürgen Friedrich von der Deutschen Bundesbank die Schützenhilfe der EZB nicht aus: "Wenn die Banken das für notwendig halten, könnten wir solche Regelungen für allgemein verbindlich erklären."

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