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08.06.2000

22:14 Uhr

Die beiden Investment-Banker ergänzen sich gut

Edson Mitchell und Michael Philipp - Haifisch und Saubermann im Vorstand der Deutschen Bank

VonGERHARD KUTSCHER / ANDREAS HOFFBRAUER

Mit Spitzenleistungen haben sich die beiden amerikanischen Investment Banker für den Vorstand der Deutschen Bank empfohlen. Ihre Berufung zeigt aber auch, welchen Wandel die ehemalige Universalbank vollzogen hat.

Edson Mitchell - mit allen Wassern gewaschen

An einem wie ihm konnte der Aufsichtsrat der Deutschen Bank nicht achtlos vorübergehen. Für Kenner der Szene stand die Berufung von Edson Mitchell in den Vorstand des deutschen Geldhauses schon seit geraumer Zeit fest. Denn der mit allen Wassern gewaschene Investment Banker hat maßgeblich zum Aufstieg der Deutschen Bank in den relativ kleinen Kreis von illustren Adressen beigetragen, die das Geschäft an den internationalen Finanzmärkten bestimmen. Seinem grenzenlosen Ehrgeiz und seiner starken Durchsetzungskraft haben es Kopper, Breuer zu einem nicht geringen Teil zu verdanken, dass der Deutschen Bank, die im Investment Banking manche Fehlschläge einstecken und viel Lehrgeld zahlen musste, endlich der Durchbruch gelang.

Gerade in dem Sektor, für den Mitchell zuständig ist, der Handel mit Devisen-, Geld-, Renten und Derivaten sowie das Geschäft mit Standardprodukten sowohl in den Industrie- als auch den Schwellenländern, in der Fachsprache Global Markets genannt, verdient die Deutsche Bank heute gutes Geld. Seine Berufung und auch der Aufstieg von Michael Philipp, der bislang den Aktienhandel verantwortet hat, in den Vorstand, stellen eine Reverenz vor der Tüchtigkeit der beiden Amerikaner und ihrer erfolgreichen Arbeit dar. In dem Beschluss des Aufsichtsrats spiegelt sich aber auch der Wandel wider, den die ehemalige Universalbank durchgemacht hat.

Wer einen so bedeutenden Teil zum Gesamtergebnis eines Institut beisteuert, wie die beiden Aufsteiger, dessen Stimme hat Gewicht. Er kann Ansprüche stellen und bekommt sie meist auch erfüllt. Mitchell weiß das. Bescheidenheit war ohnehin nie seine Stärke. Die Deutsche Bank musste tief in ihre Taschen greifen, als er 1995 mit seinem Team von Merrill Lynch zu ihr wechselte. Er gilt seither als der bestbezahlteste Mitarbeiter, den das Institut jemals auf seiner Lohnliste hatte.

Wie stark seine Stellung bei dem Institut ist, offenbarte sich bei den Fusionsverhandlungen mit der Dresdner Bank. Hatte Breuer Dresdner Kleinwort Benson, die Investment Banking Division des Verhandlungspartners, zunächst als ein "Juwel" bezeichnet, rückte er kurze Zeit später von dieser Wertung ab. An seinem Sinneswandel soll Mitchell, in dessen Beritt die größten Überschneidungen aufgetreten wären, stark beteiligt gewesen sein. Die Fama will wissen, dass er auch den Kauf von Lehman Brothers torpediert hat.

Mitchell, von zierlicher Gestalt, aber mit hartem Blick und voller Energie, ist 1953 in Maine geboren. Er studierte am Colby College, einer Hochschule für Geisteswissenschaften und Kunst, sowie am Dartmouth College in New Hampshire Betriebswirtschaft. Erste Station seines beruflichen Aufstiegs war die Bank of America in Chicago. Für Merrill Lynch arbeitete er 15 Jahre lang. Der Rotschopf gilt als ein Mensch, der weder auf dem Börsenparkett noch auf dem Sportplatz nachgeben kann und Misserfolge nur sehr schwer wegsteckt. Mitarbeiter sprechen von einem Chef zum Anfassen, der vor allem Zuhören kann und für den Transparenz und Offenheit oberstes Gebot sind. Ihm eilt allerdings auch der Ruf voraus, wenn nötig, brutal durchzugreifen.



Michael Philipp - Herr über 600 Milliarden Euro


Wenn er lacht, sieht er richtig gemütlich aus. Doch wenn es um?s Geschäft geht, ist für den bärtigen Amerikaner Michael Philipp der Spaß schnell vorbei. Der Investmentbanker, der seit fünf Jahren gemeinsam mit Edson Mitchell in London für die Deutsche Bank die Fäden in der Finanzwelt zieht, gilt als mächtiger und harter Lenker in der Branche. Philipp ist inzwischen der größte Wertpapierhändler an der Londoner Börse und verwaltet für den deutschen Branchenprimus ein Vermögen von rund 600 Milliarden Euro.

Doch künftig lässt Philipp verwalten: Gemeinsam mit seinem Weggefährten Mitchell hat er als neuer Vorstand der Deutschen Bank den Sprung ins Herz der deutschen Finanzinstitution geschafft. Philipps Berufung als Nachfolger von Michael Dobson gilt dabei eher als Überraschung. Der 47-Jährige hatte schließlich gemeinsam mit Mitchell die bereits eingefädelte Fusion mit der Dresdner Bank erfolgreich bekämpft und damit Deutsche-Bank-Chef Rolf E. Breuer in aller Öffentlichkeit blamiert.

Zudem wollte sich Philipp aus privaten Gründen eine einjährige Auszeit vom Berufsleben nehmen. Denn seine Familie lebt nach wie vor im US-Sonnenstaat Florida. Sofern es seine Zeit erlaubt, jettet Philipp einmal wöchentlich über den Atlantik zu den Lieben. Noch mehr Reisen wird das nun für die gesamte Vermögensverwaltung der Deutschen Bank verantwortliche Vorstandsmitglied künftig aber kaum. Philipp darf sein Büro in London behalten und wird sich zu den wöchentlichen Vorstandssitzungen in der Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank per Video zuschalten.

Begonnen hat Philipp seine Karriere mit 29 Jahren bei der US-Investmentbank Goldman Sachs. Zuvor hatte er an der Universität Massachusetts ein Studium der Geisteswissenschaften und der Betriebswirtschaft abgeschlossen. Trotz des Jobs im fernen London ist Philipp der US-Universität heute noch als Berater verbunden

Seinen Aufstieg in die Top-Etage der Deutschen Bank hat Philipp letztlich seiner Treue zu dem in der InvestmentBanker-Szene auch "Haifisch" genannten Kollegen Mitchell zu verdanken, in dessen Fahrwasser er 1995 zur Deutschen Bank gekommen war. Erstmals getroffen hatten sich die beiden US-Banker Anfang der neunziger Jahre bei Merrill Lynch. Bald gehörte das Duo zu den Bestbezahltesten und Mächtigsten der City. Doch sie sind offenbar ihr Geld wert: 1999 verdienten Mitchell und Philipp für die Deutsche Bank mehr als die Hälfte des Jahresüberschusses.

Philipp kann sich rühmen, den Aktienhandel der Deutschen Bank in London fit gemacht zu haben. Er hat den Bereich kräftig ausgebaut und auch personell aufgefrischt. Als der Manager 1997 die Leitung übernahm, machte von den 25 eingeteilten Regionen der Deutschen Bank nur eine einzige Gewinn - der Heimatmarkt in Deutschland. Philipp räumte auf: Von den 25 Führungskräften hatten ein Jahr später nur noch drei ihren Posten. "Säuberung - ich liebe dieses Wort", schwärmt Philipp über seine straffe Personalpolitik. Und lächelt dabei freundlich.

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