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16.01.2003

19:30 Uhr

Die Börsenkolumne aus New York

GM, Yahoo und die Stimmung an der Wall Street

VonLars Halter (Wall Street Correspondents)

Vollgas voraus! Das war das Motto, das die Wall Street am Donnerstagmorgen aus der Quartalskonferenz von General Motors filterte. Dass außer dem Automobilriesen auch noch der Industrie-Multi United Technologies und der Holz- und Papierkonzern International Paper mit guten Zahlen und Prognosen kamen, machte manchem Mut: Nicht nur die Hightechs haben Potential, auch die Industrie legt wieder zu.

wsc NEW YORK. Doch am Mittag schalten Experten einen Gang zurück. Erholung ja, doch ist nach wie vor nicht klar, wie schnell sich die Konjunktur freischwimmt und wie nachhaltig und stabil der Aufschwung ist. Notenbank-Chef Alan Greenspan äußert sich regelmäßig so schwammig, dass sich Prognosen nur schwer und in Zahlen überhaupt nicht ableiten lassen. Ob und wie Präsident Bushs Steuerpaket greift ist ebenso unklar. Und genau deshalb wird auch die aktuelle Rallye, die ja durch ein paar Minustage nur gebremst aber nicht abgebrochen ist, in nicht allzu ferner Zukunft Geschichte sein.

Die Rallye seit Jahresbeginn war von Optimismus gestützt. Und dass dieser Optimismus den Markt nur eine Zeit lang tragen kann, zeigt sich am Donnerstag vor allem an einer Geschichte, nämlich an der von General "Vollgas" Motors. Die Aktie hatte am Morgen schwach eröffnet, kletterte dann kurz ins Plus, nur um dann wieder abzustürzen und seither leicht unter dem Schlusskurs vom Vortag zu dümpeln. Warum schafft es die Aktie nicht ins Plus?

Zum einen haben GM-Aktionäre in den vergangen drei Monaten eine Rallye um 35 % gesehen - die starken Zahlen in einem schwachen Umfeld sind also weitgehend im Aktienkurs enthalten. Zum anderen lesen Experten zwischen den Zeilen eines nur vordergründig starken Quartalsberichts. Auf den ersten Blick steht darin, dass GM die Marktanteile massiv erhöht hat und in 2003 ganze 16 neue Modelle auf den Markt bringen will. Es stellt sich die Frage, wie und wie lange GM Marktanteile und Gewinne halten will. Wachstum hat schließlich Grenzen.

Der lange befürchtete Kannibalismuseffekt der Sonderangebote und Null-Prozent-Finanzierungen dürfte sich bald einstellen. Diese haben dazu geführt, dass der Autoriese aus Detroit im vergangenen Jahr 1,6 Millionen Fahrzeuge verkauft hat - trotz einer schwachen Konjunktur. Doch sind die Angebote teuer und endlich, und nicht nur die Gesamtfrage auf dem Automarkt dürfte drastisch einbrechen wenn sie wegfallen, sondern auch die Gewinne eines Unternehmens, das die Produktpalette vor dem Hintergrund momentanen Wachstums zu aggressiv erweitert.

Zwar deutlich tiefer im Minus, aber aus ganz ähnlichen Gründen wie GM, handelt am Donnerstag die Aktie von Yahoo. Der Internet-Provider hat die Erwartungen der Wall Street ebenso deutlich geschlagen wie der Automobilkonzern, und es scheint als hätte Yahoo das Anzeigengeschäft verbessert und die Umwandlung zahlreicher bisher kostenfreier Dienste in Zusatzangebote für zahlende Abonnenten geschafft. Darauf ließe sich aufbauen. Doch haben auch Yahoo-Aktionäre nach einem Kursplus von mehr als 100 % seit Mitte Oktober nicht den Mut weiter zu kaufen. Die optimistischen Prognosen des Managements helfen auch hier nicht weiter, denn auch sie sind im Aktienpreis reflektiert.

General Motors und Yahoo, so wenig die beiden Unternehmen miteinander zu tun haben, sind am Donnerstag der Lackmus-Test für die Stimmung an der Wall Street. Es geht voran, für Corporate America und für die Börse. Aber nicht in dem Tempo, das Optimisten bislang vorgegeben haben, und wohl auch nicht ohne weitere Unterbrechungen und Tiefschläge.

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